STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2013/Jänner 2013/Spielen wir Leben/
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Spielen wir Leben

Von: Anita Raidl

„Jung. Pleite. Abgestempelt.“ Zwölf junge Erwachsene suchen ein gutes Leben. Spielerisch und direkt fordern sie politische Entscheidungsträger/innen zur Veränderung auf. Megaphon begleitete das finale Vorbereitungstreffen der InterACT-Truppe in Graz.

„Spielen wir.“ Thomas* und seine Kolleg/innen gehen zielstrebig nach vorne. Sie kennen ihren Platz auf der Bühne, die Spielraum ist für die Geschichten von „Bennie“, „Bella“ und „Max“. Drei Figuren, drei Schicksale, zum Leben erweckt von den vielfältigen Erfahrungen aller zwölf Darsteller/innen: Sie haben die Ausbildung abgebrochen, Job und familiären Rückhalt verloren, sind auf der Straße und in der Psychiatrie gelandet. Wie da bloß wieder rauskommen?

In den vergangenen Monaten haben die zwölf gemeinsam mit dem Theaterpublikum Lösungswege erprobt und Vorschläge für notwendige Änderungen von politischen Rahmenbedingungen diskutiert. Nun liegen die Resultate auf dem Tisch und aus Spiel wird definitiv Ernst. Die selbstbewusste Truppe tritt demnächst beim Landesjugendreferat und im Sozialministerium für ihre Anliegen ein.

Angelpunkte sind Familie, Ausbildung, Beruf und Wohnung. In allen Bereichen möchten die jungen Erwachsenen mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden, Fehler machen dürfen und sich die Zeit nehmen können, ihren Weg zu finden.

„Drüberzufahren ist definitiv keine Lösung“, sagen sie. Dieser Appell richtet sich auch ans Arbeitsmarktservice, denn erwünscht sind Kurse, die Sinn stiften, und Ansprechpartner/innen auf Augenhöhe. Ist einmal eine Lehrstelle gefunden, kann diese aber schnell zur Armutsfalle werden. Gegenstrategien könnten ein Lehrlingsausbildungsfonds, eine monatliche Entschädigung von zumindest 500 Euro und eine bedarfsorientierte Mindestsicherung für Lehrlinge, die über 18 Jahre alt sind, sein.

Etwas vager sind die Vorstellungen im Bereich Familie. Gefragt sind mehr Unterstützungsangebote für überforderte Eltern. Unmut macht die Runde, schließlich gäbe es die bereits. „Derartige Angebote nehmen nur reflektierte Personen in Anspruch“, bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Insgesamt sind die Darsteller/innen optimistisch. Denn im Zusammenspiel mit Politik und Behörden wollen sie auch in diesem Fall Wege zur Umsetzung aufspüren und mit Theater Politik machen.

Was sich für die Teilnehmer/innen selbst in den vergangenen Monaten geändert hat? „Ich habe gerade eine Wohnung gefunden“, strahlt eine im Pausengespräch. „Endlich!“ Und für Thomas? „Ich bin selbstsicherer geworden, habe einen Beruf gefunden.“ Im März 2013 läuft das Projekt aus. Treffen wird es aber weiterhin geben. „Solange es nötig ist“, sagt Sozialpädagoge Rene Nedeljkovic. „Niemand soll auf der Bühne Leben alleine dastehen.“

Weiterführende Informationen unter:

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Tel: 0316/8015 650
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