STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2013/Jänner 2013/Haltung und Wiegeschritt/
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Haltung und Wiegeschritt

Von: Nina Popp

Für die Kinder ist es Spaß. Für die Erwachsenen, die die Schüler/innen bei „dance vision” begleiten, ist es ein Schritt zur Integration.

Gesellschaftstanz. Klingt nach 50plus. Was sollen 6- bis 14-Jährige also mit Swing und Walzer? Warum nicht Gangnam Style oder Hip Hop? „Weil der Paartanz eine Besonderheit ist“, erklärt Tina Kern-Theissl, die das Tanzprojekt für Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Willi Gabalier konzipiert hat. „Wer zu zweit tanzt, muss sich auf sein Gegenüber einstellen, muss sich einlassen.“ Bei jedem einzelnen Schritt, nach vor und zurück, beim Führen und Folgen und dabei sind beide miteinander immer in Kontakt. „Gerade das ist eine Stärke des Modells“, sagt die Tanzlehrerin und Juristin, die selbst einige Jahre im Ausland gelebt hat.

Mit „dance vision” orientiert sie sich an internationalen Vorbildern, die seit mehr als 20 Jahren in den USA, in Kanada, Israel und der Schweiz erprobt wurden. Dabei zeigte sich, dass positive Erlebnisse besonders im Alter von acht bis zehn Jahren viel stärkere Argumente gegen Vorurteile liefern und sich viel besser auf das Verständnis für andere auswirken als bloßes theoretisches Wissen.

Die rücksichtsvolle Umarmung, die Tanzhaltung, der Blick aufs Gegenüber, der aufeinander abgestimmte Rhythmus hinterlassen, das belegen Studien, gute Erinnerungen auf beiden Seiten, bei Migrant/innen und Kindern der Aufnahmegesellschaft.

Was im Fachjargon „Intervention mit strukturierter Kontaktbedingung“ heißt, erlebten die mehr als 130 Schüler/innen der Pilotphase in Graz und Wien in erster Linie als Spaß. Die ungewohnte Nähe, Tanzhaltung und Schrittfolge sind manch jungen Herren zwar anfangs peinlich. „Aber das legt sich“, erzählt Kern-Theissl, die das für die Schüler/innen kostenlose Projekt fortsetzen will. Sobald die Freunde zum Mittun motiviert sind und alle übers Parkett fegen, zählt einfach der Fun-Faktor beim ‚Eins, zwei, Wiegeschritt‘ – und nicht selten der Ehrgeiz, bei der Abschlusspräsentation zu glänzen.

Weiterführende Informationen unter:

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