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Die Bank gewinnt

Von: Annelies Pichler

In ihrem Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte“ stellen die beiden Vermögensberater Marc Friedrich und Matthias Weik die These auf: Wenn sich nicht alles rasch ändert, bleibt uns nichts. Marc Friedrich im Interview.

In Ihrem Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte“ beschreiben Sie, wie unser aller Vermögen gerade verspielt wird. Wer sind aus Ihrer Sicht die Spieler/-innen?
Marc Friedrich: Banken und Versicherungen und sie verspielen unser Geld, so wie im Casino. Auch hier zeigt sich: Die Bank gewinnt immer.

Wie ist das möglich?
Friedrich: Geld regiert die Welt. Und wer regiert das Geld? Banken und Versicherungen. Die Staaten finanzieren sich über Steuereinnahmen und Staatsanleihen. Hauptankäufer der Anleihen ist die Finanzbranche. Hier hat sich eine Abhängigkeit der Politik von der Finanzbranche etabliert. Das achte Weltwunder neben dem Zinseszins ist, dass Banken Geld aus dem Nichts schaffen können. Denn jede Bank braucht nur ein Prozent Mindestreserve an die Europäische Zentralbank (EZB) abliefern. Wenn Sie einen 10.000 Euro hohen Kredit aufnehmen, zahlt Ihre Bank lediglich 100 Euro an die EZB – der Rest kommt aus dem Nichts. Sie aber zahlen Zinsen für diese 10.000 Euro. Das ist sittenwidrig! Nur ca. zwei Prozent des Euros existieren tatsächlich. Man sollte schon in den Schulen lehren, wie Finanzen, Geld und Wirtschaft zusammenspielen. Seit 2008 haben sich die Banken wieder bestens mit billigem Geld ausgestattet. Ein Skandal. Es wurde nichts aus der Krise gelernt.

Wieso ist es dann für viele heute so schwierig, Kredite aufzunehmen?
Friedrich: Weil es für die Banken risikoärmer ist, in „sichere“ Staatsanleihen zu investieren. Immerhin haftet hier ein ganzer Staat mit seinen Bürgern. Das Geld erhalten sie für 0,5% und verdienen 4,5% oder mehr mit den Staatsanleihen. Das ist ein Bombengeschäft. Zudem verdienen sie auch noch bei der Auflegung dieser Papiere und dem Verkauf. Das Perpetuum mobile der Finanzbranche.

Was unterscheidet unser Geld von Spielgeld?
Friedrich: Gar nichts. Es ist nur die Baumwolle wert, aus der der Euro hergestellt wird. Es gibt keinen realen Wert dahinter. Von der Goldbindung ist unser Geld längst entkoppelt. Seine Funktionalität beruht allein auf unserem Vertrauen. Leider wird dieses Vertrauen von oberster Stelle ständig verletzt.
Der Euro war von Anfang an ein politisches Projekt und heute haben wir mit den Folgen dieses Irrsinns zu kämpfen. Es ist unmöglich, dass wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland und Österreich und schwache wie Griechenland, Spanien oder Portugal dieselbe Währung haben und sich für denselben Zinssatz Geld leihen können. Schaut man in der Geschichte zurück, wird man sehen, dass Währungsunionen noch nie gehalten haben.

Wer muss zahlen?
Friedrich: Wir alle. Staaten gehen nicht bankrott, aber die Bürger/innen gehen pleite. Wir erleben gerade die größte Umverteilung in der Geschichte der Menschheit, die die Reichen immer reicher macht. In den USA ist das Kapital schon in den Händen von nur einem Prozent der Bevölkerung, daraus ist jetzt die Bewegung „99 Prozent“ entstanden. Bei uns sind es die oberen fünf Prozent und die Schere geht weiter auf. Wenn das System kippt, verschwindet als Erstes die Mittelschicht. Das habe ich in Argentinien miterlebt. Plötzlich haben die Banken zugesperrt und niemand kam mehr an Geld. Vordergründig scheint die Krise dort überwunden, aber für die Argentinier schaut das anders aus.

Warum sagen Sie, dass soziale Systeme nicht helfen können?
Friedrich: Soziale Hilfestellungen bringen nur Zeit. Seit 2008 wird bewusst Schadensmaximierung betrieben, um Zeit zu gewinnen. Tatsache ist: Es kann kein ewi-ges Wachstum geben. Wir sind im Endstadium eines Systems, das so verfahren ist, dass es keine Lösung aus dem Dilemma gibt, es sei denn durch gewaltiges Umdenken und grundlegende Änderungen. Das pas-siert nicht. Ob die Wirtschaft in einem Jahr kollabiert, in drei oder in zehn, kann ich nicht sagen. Aber sie wird es tun. Doch jede/r von uns kann vorbauen.

Was können wir tun?
Friedrich: Raus aus den Papierwerten. Investieren Sie nur in Sachen, die man physisch angreifen kann. Bei denen man versteht, woher sie ihren Wert ableiten. Investieren Sie in Bildung, Gesundheit. Warum Ver-mögen in Schwellenländer investieren, um auf Kosten anderer fünf bis zehn Prozent Rendite einzufahren? Investieren Sie in Ihre Umgebung. Damit Ihr direktes Umfeld prosperiert. Das bringt viel mehr, auch an Freude und Kommunikation. Schlimm ist die Gier. Jeder und jede, egal ob reich oder arm, sollte sich auf das, was kommen wird, vorbereiten. Auch mental. Unsere Gesellschaft leidet an Depression, Burnout, Krebs. Wir müssen aus der Bequemlichkeit ausbrechen. Jede/r kann etwas bewirken. In Spanien überlegt
keine/r mehr, ob er/sie sich einen Daimler leisten kann – bei einer Arbeitslosigkeit von 27 Prozent und einer Jugendarbeitslosigkeit von 60 Prozent. Diese desaströsen Zahlen sind nur mit der Weimarer Republik zu vergleichen. Die Geschichte hat gezeigt, was für verheerende Auswirkungen das haben kann.

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