STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2013/März 2013/Kuchen vom Grieskoch/
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Kuchen vom Grieskoch

Von: Daniela Krenn

Seit kurzem wird im Megaphon-Café im Auschlössl Kuchen vom Grieskoch aufgetischt. Dahinter steckt ein spannendes Projekt für "NEETS".


NEET, das bedeutet „Not in Education, Employment or Training”. NEET ist die neue englische Bezeichnung für Jugendliche, die weder eine Arbeitsstelle, noch Ausbildung haben, und traf vor kurzem noch genau auf viele der Jugendlichen zu, die hier im Grieskoch zwischen Schüsseln, Töpfen und Geschirr stehen und rühren, zusammenmischen und zwischendurch einmal kosten. Das Grieskoch – die Küche als Arbeitsstelle für Jugendliche, das neueste Angebot vom Verein Fensterplatz im Rahmen des Projekts Heidenspaß. Generell steht das Projekt Heidenspaß für außergewöhnliche und neue Ideen im Bereich der Jugendarbeit. Es bietet nicht nur stundenweise Beschäftigung in kreativen Bereichen wie Schmuck-herstellung und Möbelbau oder eben im Grieskoch beim Kochen, sondern auch Unterstützung bei der Job- oder Ausbildungssuche. „Bei uns können die Jugendlichen langsam ins Berufsleben finden und sind nicht gleich acht Stunden in einen Beruf gedrückt, wie es normalerweise die Gesellschaft verlangt“, so Silvia Jölli, die Geschäftsführerin und Gründerin vom Verein Fensterplatz.

Ein Jahr hat das Grieskoch nun schon seine Türen geöffnet. Zwei bis vier Jugendliche kochen hier täglich, hauptsächlich vegetarisch. „Da freuen sich die meisten nicht so darüber, aber Fleisch ist teuer. Außerdem kommen viele Jugendliche aus verschiedenen Nationen und Religionen und essen nicht jedes Fleisch“, erklärt Silvia Jölli. Dafür gibt es aber die verschiedensten Gerichte aus aller Welt. „Gestern hatten wir afghanischen Abend. Toll hat’s geschmeckt! So lernen wir aus Kochbüchern, aber auch voneinander kochen.“ Christian ist einer der Jugendlichen, die hier täglich kochen und neue Rezepte ausprobieren. „Ich bin seit eineinhalb Jahren bei Heidenspaß und seit Eröffnung der Küche im Grieskoch“, erzählt Christian. Die Schule abgebrochen, hat ihn sein Vater auf das Projekt aufmerksam gemacht. Jetzt holt er gerade die Matura nach und verdient sich hier nebenbei ein bisschen Geld. „Danach möchte ich am liebsten Biologie studieren.“

Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, drei- bis viermal die Woche im Grieskoch zu arbeiten. Täglich wird so das Mittagessen für alle mitarbeitenden Jugendlichen des Projekts zubereitet. Auch ein Wechsel zwischen den verschiedenen Tätigkeiten innerhalb des Projekts Heidenspaß ist immer möglich. So kann man heute Taschen aus altem Plastik oder anderen recyclebaren Materialien herstellen, morgen Möbel aus Karton und die nächste Woche wie-der in der Küche werkeln.

Seit wenigen Wochen wird hier übrigens nicht mehr nur für den Eigenbedarf gekocht. Das Grieskoch kooperiert mit dem Mega-phon-Café im Auschlössl: Selbstgebackener Kuchen wird an das Café geliefert und dort weiterverkauft. „So lernen die Mädchen und Jungs termingerechtes Arbeiten, und außerdem ist das ein Erfolg für die Jugendlichen und auch für das Projekt, wenn unser Kuchen verkauft wird!“, ist sich Silvia Jölli sicher.

Übrigens kann jeder das Grieskoch nutzen, denn es bietet seine Räumlichkeiten abends als „Open Kitchen“ an. Wer eine kleine Küche hat, aber gern mal mit Freund/innen, Familie oder Kolleg/innen gemeinsam kochen und feiern möchte, kann das gegen eine kleine Spende im Grieskoch tun. Und sogar das Einkaufen und das Aufräumen danach kann auf Wunsch übernommen werden, von den Ex-NEETs im Grieskoch. Bis Ende des Jahres wird das Projekt noch finanziert vom ESF, dem europäischen Sozialfonds. Hoffentlich danach auch noch, denn we nee(t)d the Grieskoch!

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