STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2014/Juli 2014/Reparatur pur/
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Reparatur pur

Von: Anita Brodtrager

Das Repair Café Graz repariert seit einem Jahr was andere wegwerfen würden - und ist damit Teil einer internationalen Bewegung.

Wer ins Repair Café möchte, muss sich bücken. „Das taugt vor allem den Kindern“, sagt Andreas Höfler und bückt sich, um durch die niedrige Eingangstür zu gelangen, steigt dann vorsichtig die schmale Holztreppe hinab in das sogenannte „Traumwerk“: ein Bastelparadies und Treffpunkt für das Grazer Repair Café.
Alle zwei Monate setzen sich hier, Ecke Fellingergasse/Lendkai, die Gäste mit den Repair Café-Helfer/innen bei Kaffee und Werkzeug zusammen. Repariert wird gegen freiwillige Spende, was die Besucher/innen an elektronischen Geräten mitbringen, etwa Fotoapparate, Drucker, Toaster und Lautsprecher. „Im Grunde kann man mit allem kommen, was man als Einzelperson tragen kann“, erklärt Höfler. Oft sind es Liebhaberstücke. „Ein alter Röhrenverstärker vom Großvater zum Beispiel, da kommt mit dem Gerät auch gleich eine Geschichte mit“, so der Bastler, der beruflich als Software-Entwickler tätig ist. Garantie auf Reparatur-Erfolg gibt es keinen. „Wenn nichts mehr geht, informieren wir über die richtige Entsorgung“, fügt Höflers Kollege Dietmar Hafner, ein IT-Projektmanager, an. Die beiden engagieren sich ehrenamtlich – genauso wie die anderen Helfer/innen, darunter ein pensionierter Hausmeister, ein Student, ein ehemaliger Elektriker. „Jeder hat seinen Bereich“, erzählt Hafner und verrät mit einem Schmunzeln: „Beim iPhone gibt’s für mich bald nichts mehr, was ich nicht wüsste.“

Internationale Bewegung
Das Grazer Repair Café ist Teil der internationalen Repair Café-Bewegung, initiiert von der Niederländerin Martine Postma. Das allererste Repair Café organisierte Postma 2009 in Amsterdam – ein großer Erfolg und Anlass dafür, „Stichting Repair Café“ ins Leben zu rufen. Die Stiftung will bei der Gründung eines Cafés unterstützen und zum Umdenken anregen: Gegenstände sollen wieder wertgeschätzt, repariert statt weggeworfen werden. Die nachhaltige Initiative findet europaweit Zustimmung. In Österreich sind derzeit rund zehn Repair Cafés aktiv – Tendenz steigend, denn immer mehr Menschen wollen sich vom Zwang zum Wegwerfen befreien. „Viele Firmen bauen ihre Geräte so, dass sie von vornherein nur eine bestimmte Lebensdauer haben“, so Hafner, der mit dem Café Bewusstsein schaffen möchte: Ist es notwendig, sich immer wieder neue Geräte anzuschaffen? „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, ergänzt Höfler. Mit dem Repair Café wollen die beiden ihr Reparatur-Know-how weitergeben. Für mehr Unabhängigkeit von der Konsumgesellschaft. Im Juli 2013 fand das erste Repair Café im Traumwerk statt – nun geht’s voller Tatendrang ins zweite Jahr. „Eine Idee wäre, ein Repair Café für Kinder zu gründen“, sagt Höfler und blickt nach oben, zur Eingangstür – sie wäre wie gemacht für die Kleinen.

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
megaphon@caritas-graz.at
www.megaphon.at/de/strassenmagazin/archiv/megaphon_2014/Juli_2014/419/