STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2017/Juli 2017/
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August 2017: August 2017 (© Megaphon)

Juli 2017

Thema: Ramsch

"Wir wollen nur unser Land zurück"
Der Brasilianer Ava Taperendy kämpft gegen den Mord an seinem Volk
Esoterische Pyramidenspiele
Fotograf Klaus Pichlers kritischer Blick auf den Eso-Trend
Gekauft und schnell kaputt
Wird die Lebensdauer von Produkten absichtlich beschränkt?
Verkäufer zum Thema
Diesmal Favour Ekeze
Brief an mich
Kabarettist David Scheid schreibt seinem jüngeren Selbst

Editorial

Von: Annelies Pichler

Firlefanz und Graffelwerk

Ra-Ra-Ramsch ist alles, was ich habe, Ra-Ra – nun gut, nicht alles. Im Fläschchen aus Heiligenblut ist reines Gold. Immer gut und auch gleich ein Notklumpen für die Zähne. Vielleicht aber stammt das Gold aus einem alten Prager Alchimistenlabor? Ehemals Blei, jetzt Gold. Ein funkelndes Geheimnis. Ein klarer Fall für die Esoteriker/innen.
Der steirische Fotograf Klaus Pichler hat sich auf Esoterikmessen umgetan und eine Unmenge an magischen Produkten geortet, die sich aber recht schnell als reines Graffelwerk entlarven ließen. Aufgeladen mit Versprechungen, durch die sich zunächst sehr Profanes in den Köpfen von Heilsuchenden in Wundersames verwandelt. Klaus Pichler hat sich die Angebote mit kühlem Kopf angesehen und seine Antwort darauf ist eine großartige Fotoserie. Im kommenden Herbst wird er dazu einen Fotoband veröffentlichen. Unsere Fotostrecke in der Heftmitte gibt schon einen Vorgeschmack. Auf den Seiten 8 und 9 spricht der Fotograf über die Hintergründe zu seinem Projekt.
Klimbim, Firlefanz, Tand und Klunker. Schneller, als wir schauen können, sammeln sich auch ganz ohne Eso-Zauber viele kleine Dinge um uns, und jedes davon hat seine Geschichte. Erinnert an einen Zeitpunkt im eigenen Leben, an jemanden, den wir lieben, an einen Traum von ehemals. Das Band, das uns daran bindet, ist Nostalgie – und wenn wir es lösen und Dinge weggeben, hat das oft etwas erstaunlich Befreiendes.  Das französische Künstlerkollektiv KompleX KapharnaüM hat für seine Show im Rahmen des Festivals  „La Strada“ 100 Säcke voll Grazer Müll gesammelt. Was es damit auf sich hat, erzählt der künstlerische Leiter Pierre Duforeau auf den Seiten 14 und 15.
Wegwerfen macht Platz für Neues – das dann wieder mit Versprechen aufgeladen wird. Der Toaster im neueren Design, die coole Kaffeemaschine, das edlere Handy: Die Werbung macht uns die Wahl nicht leicht. Und wir lassen uns so leicht verlocken, dass wir den Firmen auch gleich einen Grund liefern, Ramsch zu produzieren (Seiten 16 und 17). Denn wieso langlebige, kostenintensive Produkte fertigen, wenn die Kunden und Kundinnen ohnehin nach kurzer Zeit das neuere Modell haben wollen? Gute Frage. Und schon schließt sich die nächste daran: Wohin mit dem Ramsch, wenn die daran haftenden Träume verblasst sind? Aber das ist das Thema für eine andere Ausgabe!
Im Sommer träumen wir ohnehin einen besonderen Traum: den vom perfekten Urlaub. Und den unterstützen wir mit Freuden. Schönen Urlaub!

Weiterführende Informationen unter:

MEGAPHON, Auschlössl
Friedrichgasse 36, 8010 Graz
Tel: 0316/8015 650
Fax: 0316/81 23 99
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