STRASSENMAGAZIN/Archiv/MEGAPHON 2018/Maerz2018/März 2018/
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Wagnis Leben

Von: Annelies Pichler

Dem Risiko können wir nicht ausweichen. Denn das Leben selbst ist ein Risiko. Wer glaubt, das ignorieren zu können, landet unversehens in der Langeweile. Und so gut die unserer Vorstellungskraft auch tun mag, zu lange genossen zermürbt sie und birgt wieder neue Risken. Mutlosigkeit, Zermürbung, Depression, Abhängigkeit. Ja, ein bisschen Pep tut uns immer gut und die sichere Schiene trügt nur allzu leicht.

Im Extremfall muss nicht nur die eigene Sicherheit, sondern das ganze Leben riskiert werden, damit wir frei und erfüllt leben können. In dieser Ausgabe kommen gleich zwei Menschen zu Wort, die dieses Wagnis selbst eingegangen sind. Auf den Seiten 8 und 9 schreibt Autor und Poetry-Slammer Omar Khir Alanam über sein an Risken reiches Leben und über die Freiheit, die er gewonnen hat. Unser Verkäufer Destiny Osagie erzählt von dem Moment, in dem er in ein Boot gestiegen ist, wohl wissend, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er auf der Überfahrt sein Leben verliert, größer ist als die, dass er überlebt. Doch ein Zurück gab es für ihn nicht. Heute schätzt er in seiner neuen Heimat vor allem eines: die Sicherheiten, die ein funktionierender Staat bietet (Seiten 16 und 17). Diese Sicherheit hilft auch dem 16 Jahre alte Lehrling Abbas Ebrahimi, der sich als 13-Jähriger allein auf den Weg vom Iran nach Österreich gemacht hat. Er hat eine Lehrstelle gefunden. Ob er es bis zur Lehrabschlussprüfung schafft, ist offen. Denn das hängt auch davon ab, ob er in Österreich bleiben kann. Doch findet er in einer wunderschönen Arbeit, der des Gitarrenbauers, die Freude und Konzentration, die es der inneren Sicherheit leicht macht, sich auszubreiten – und in der all die Unsicherheitsfaktoren seines Lebens verblassen (Seiten 10 und 11).

Als Tarana Burke als 21-Jährige mit dem Thema sexueller Missbrauch konfrontiert wurde, war sie noch nicht so weit, von ihren eigenen Erfahrungen zu erzählen. Doch Jahre später war sie es, die den Slogan „Me Too“ kreierte, um für andere Menschen, die missbraucht worden sind, ein Ventil zu schaffen, von ihren Erlebnissen zu reden. Als jemand anders die Raute vor ihren Slogen setzte und ihn zu #metoo machte, war sie zunächst erschrocken. Doch bald stellte sich heraus, dass die Aktion in ihrem Sinne war, wenn es auch einige Punkte gibt, die ihr zu denken geben. Lesen Sie darüber auf den Seiten 6 und 7 – und falls Sie Ihre Unterschrift für das Frauenvolksbegehren noch nicht gegeben haben, nehmen Sie es als Anstupser. Rechte, die man hat, nicht einzufordern, ist ein großes Risiko. Auch wenn es sich schleichend und nur ganz leise breitmacht. Denken wir daran. Nicht zuletzt am 8. März, wenn Blumen zum Frauentag verschenkt werden.

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