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Vitus Emeka Okoye

Von: Milo Strauß

Vitus Emeka Okoye (25) verkauft das MEGAPHON seit zwei Jahren. Sein Standplatz ist in der Murgasse in der Grazer Innenstadt.

Vitus Emeka Okoye wurde am 23. Mai 1984 im nigerianischen Bundesstaat Imo geboren. In Orlu, der drittgrößten Stadt in Imo, besuchte er sechs Jahre lang die Schule, ging aber nach seinem 18. Geburtstag in den angrenzenden Bundesstaat Abia. Dort führte er einen Lebensmittelladen. Orlu, die Heimatstadt von Vitus, war zur Zeit des Biafra-Krieges ein wichtiger Stützpunkt der Volksgruppe der Igbos, die um die Unabhängigkeit des Gebietes kämpften. Nach Putsch, Gegenputsch, drei Jahren Bürgerkrieg und einer großen Hungersnot wurden die Separatisten besiegt und Biafra in einzelne Bundesstaaten aufgeteilt. Heute versucht die MASSOB, ein Zusammenschluss junger Igbos, einen souveränen Staat Biafra zu erreichen. Nachdem das Vorgehen der Regierung gegen die Organisation immer brutaler wurde, verließen viele Mitglieder der Untergrundorganisation das Land – auch der „youth chief“ der MASSOB in Imo, Vitus Emeka Okoye.

Seit wann sind Sie in Österreich?
Ich bin 2007 gekommen. Es war gefährlich in Nigeria. Leute sind erschossen worden, von der Polizei.

Wie geht es Ihnen mit dem MEGAPHON-Verkauf?
Ich verkaufe das MEGAPHON in der Murgasse hier in Graz. Ich bin gerne dort, die Leute, die vorbeikommen, sind freundlich. Wenn ich verkaufe, versuche ich, die Leute froh zu machen, mit denen ich rede. Wenn sie traurig aussehen, frage ich sie, was los ist. Wenn sie es mir nicht sagen, sage ich, sie sollen froh sein, weil sie leben (lacht). Und ich bin Christ. Die Kirche in St. Andrä ist einer der wichtigsten Orte für mich. Ich bin auch Ministrant dort. Ich liebe Gott und meinen Glauben.

Interessieren Sie sich für Fußball?
Ich bin ein sehr guter Fußballspieler, ich habe sehr viel gespielt in Nigeria. Ich kann den Ball lesen, ich weiß immer, wie er sich bewegt. Aber in Nigeria kann man nicht als Profi spielen, wenn man nicht entweder Geld oder Beziehungen hat, egal wie gut man ist. Es gibt viel bessere Spieler als die, die in den Teams spielen. Ja, ich habe wirklich viel gespielt in Nigeria, aber jetzt in Österreich nicht.

Warum das?
Ich habe Angst, dass ich mich verletze und dass niemand da ist, der mir helfen kann. Ich kann dann nicht verkaufen und habe kein Geld. Aber wenn ich die Staatsbürgerschaft bekomme, dann werde ich wieder spielen. Ich kann das, ich wurde damit geboren. Ich werde Kapitän eines Teams.

Möchten Sie zum Abschluss noch etwas sagen?
Ja, ich will mich bedanken, bei den Leuten, die bei mir kaufen, bei den Caritas-Leuten, die mir helfen, und bei der Frau, die uns Deutsch beibringt. Bei den Leuten, die mich ermutigen weiterzumachen, bei meinen Freunden. Eigentlich bin ich allen Menschen, die ich treffe, irgendwie dankbar. Sogar Rassisten.

Wie meinen Sie das jetzt?
Naja, hassen kann man sie jedenfalls nicht. Gott liebt alle Menschen.

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