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John Okenrentie

Von: Milo Strauß

John Okenrentie verkauft unter schwierigsten Bedingungen das MEGAPHON im Steirerhof und am Kaiser-Josef-Platz.

John Okenrentie, bei uns zu Recht unter dem Namen Superjohn bekannt, wurde am 2. Februar 1960 in Benin City, der Hauptstadt des nigerianischen Bundesstaates Edo, geboren. Da er als einer der wenigen bald Arbeit fand, verließ er die Stadt nicht, sondern heiratete und gründete eine Familie. Im Juni 2004 zwangen ihn jedoch Probleme in seinem sozialen Umfeld, das Land zu verlassen. In Wien angekommen, wurde er bald wegen seiner Zuckerkrankheit ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wurde ihm geraten, sich dringend einer Augenoperation zu unterziehen. Heute ist Superjohn fast blind.

Wie genau haben Sie damals ihr Augenlicht verloren?

Als ich wegen meiner Zuckerkrankheit ins Spital gebracht wurde, sagte man mir, ich müsse an den Augen operiert werden. Ich wurde einmal am linken Auge operiert und viermal am rechten. Nach vier Tagen im Krankenhaus wurde ich ins Flüchtlingslager zurückgeschickt, die Ärzte sagten mir, dass sie mein Bett brauchen. Schließlich hatte ich eine Infektion und wurde zurück ins Krankenhaus gebracht. Dort erfuhr ich, dass mein linkes Auge nun inoperabel sei und ich innerhalb der nächsten zwei Jahre erblinden würde. Ich kann kaum Deutsch, aber ich hatte das Gefühl, sie haben einen sehr großen Fehler gemacht. Das ist einer der Gründe, warum ich das MEGAPHON verkaufe: damit ich nicht in meinem Zimmer sitzen und über diese Dinge nachdenken muss.

Das ist jetzt fast vier Jahre her. Wie geht es Ihnen damit?
Nicht sehr gut. 2008 wurde ich am Jakominiplatz von einer Straßenbahn angefahren. Auch mit den Prothesen kann ich nur Umrisse erkennen. Oft fragen mich Leute, ob ich wirklich blind bin oder das Abzeichen gekauft habe. Das stört mich sehr.

Was haben Sie für Erfahrungen beim Verkaufen gemacht?
Ich verkaufe leider nicht sehr viel. Früher, als das MEGAPHON noch zwei Euro gekostet hat, haben mir die Leute oft nur 50 Cent gegeben. Die haben diesen gerillten Rand, daran hab ich es immer bemerkt. Auch jetzt geben mir die Leute oft nur 1,20.

Sie haben eine Aufenthaltsgenehmigung. Haben Sie Pläne für die Zukunft in Österreich?
Ich suche seit langem eine richtige Arbeit, aber es gibt keine Arbeit für jemanden, der nichts sieht. Und es wäre schön, wenn meine Familie nachkommen könnte, vor allem wegen der Augen. Wenn ich bald ganz blind bin, wäre das eine große Hilfe.

Woher kommt eigentlich Ihr Spitzname, Superjohn?
Das war so: Ich heiße John. Und einmal, als ich noch in Wien war, hat mir jemand gesagt, ich wäre super. Seither nenne ich mich Superjohn.

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