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Godwin Azubuike Nwaimo

Von: Annelies Pichler

MÄRCHENERZÄHLER. Godwin Azubuike Nwaimo ist MEGAPHON-Verkäufer, Straßenkehrer und Autor. Seine Vision:
die Veröffentlichung seiner Fabeln.

Straßentheater erlebt Godwin Azubuike Nwaimo. Tag für Tag. Als MEGAPHON-Verkäufer hat dabei auch er seine Rolle im Spiel. Als Autor aber beobachtet er, nimmt das Erlebte auf, verarbeitet und bearbeitet es, bis er es in Form von Fabeln zu Papier bringt. Und einmal, davon träumt er, werden all die beschriebenen Blätter in ein Buch münden. Bis dahin scheint es jedoch noch weit.
Das Erdöl – Segen und Fluch seiner Heimat Nigeria – war auch der Einkommensquell für Godwin Azubuike Nwaimos Familie: „Mein Vater hatte eine Tankstelle.“ Da war es nur logisch, dass auch der Sohn zuerst einmal an der Zapfsäule arbeitete.  Während er die Tanks der Kunden auffüllte, bastelte er aber auch schon an seinen Fabeln. Spann Erzählfäden um einen Drachen, der für seine verdrossene Frau ein Affenherz holen wollte. Oder um die Schildkröte, die einen Elefanten überlistet, indem sie ihn an seiner Eitelkeit packt. Geschichten, die zeigen, wie leicht es sich auf der Klaviatur tierischer – oder nur allzu menschlicher – Gefühle spielen lässt. Für den, der sie durchschaut.
Für die Verhältnisse seiner Heimat beherrschte er diese Klaviatur nicht gut genug. 2004 musste er sie aus politischen Gründen verlassen. Im März desselben Jahres kam er in Österreich an. Den Trick, wie er die österreichische Kulturszene von seinen Fähigkeiten als Autor überzeugen kann, muss Nwaimo allerdings erst herausfinden.

„Jeder Verkäufer gilt gleich viel“. Inzwischen verdient er seinen Lebensunterhalt als MEGAPHON-Verkäufer und Straßenkehrer. „Zwei Wochen hindurch arbeite ich von sechs Uhr in der Früh bis 14 Uhr für das Magistrat auf den Grazer Straßen, darauf habe ich dann zwei Wochen keinen Dienst“, beschreibt er den Rhythmus seiner Arbeitszeiten. In den beiden „kehrfreien“ Wochen des Monats intensiviert er seinen MEGAPHON-Verkauf, in den beiden anderen beginnt er nach acht Stunden Einsatz beim Magistrat am Grazer Glockenspielplatz mit dem MEGAPHON-Verkauf.
„Jeder Verkäufer gilt gleich viel“, weist er den Gedanken eines Kollegen zurück, Verkäufer, die schon lange aktiv sind, seien, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, bevorzugt  zu behandeln. Ruhig und bestimmt legt er seinen Standpunkt auch den Kollegen dar und wirkt einmal mehr als Vermittler. „Es gibt kulturelle Unterschiede, die zu Missverständnissen führen können. Es ist wichtig, dass hier jemand Unklarheiten aufklärt“, sagt er. Weil er immer wieder zeigt, dass er das kann, haben ihn seine KollegInnen zum stellvertretenden Verkäufersprecher gewählt. „Wenn jemand Probleme hat, ruft er oder auch sie mich an. Wann immer das auch ist.“ Für ihn ist das kein Problem: „Ich mag sie alle!“
Vielleicht liefern sie ihm ja auch Stoff für weitere Fabeln. Denn als Künstler fühlt er sich nach wie vor. Seine Lesungen im Grazer Kindermuseum, die er mit Musik und Mimik begleitete, sind leider nicht mehr im Angebot. Den Gedanken, seine Geschichten einem Publikum nahezubringen, den gibt er aber nicht auf: „Wenn ich im Sommer die Vorstellungen von La Strada verfolge, dann tue ich es nicht wie ein normaler Zuschauer. Ich schaue den Künstlern genau zu – um von ihnen zu lernen.“ Für das eigene Programm. Das künftige.

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