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Die Fensterfrau hat wenig Zeit

Von: Annelies Pichler

BUSINESS. Osayemhenre Otoghaguamhen kam mit dem Boot von Nigeria nach Europa. Ihre drei kleinen Kinder lassen der Alleinerzieherin nur beschränkt Zeit für den MEGAPHON-Verkauf.

Mit dem Boot. Osayemhenre Otoghaguamhens kurze Antwort auf die ebenso kurze Frage „Wie sind Sie hergekommen?“ liegt nicht wirklich fern und geht dann doch sehr nahe. Knapp erwähnt sie das übervolle Boot. Die Busfahrt von Spanien nach Österreich. Die Ankunft in Hartberg und die Geburt ihres ersten Kindes, eines Mädchens, sehr bald nach der Ankunft dort.
Das liegt nun fast sieben Jahre zurück. Jahre, in denen sie noch zwei Buben zur Welt brachte, von ihrem Mann verlassen wurde und in denen ihre Zeit knapper und knapper wurde, weil ihre Kinder immer mehr davon in Anspruch nehmen.
Die Stunden, die sie als MEGAPHON-Verkäuferin arbeiten kann, sind rar und sie will das Beste daraus machen. „Die Fensterfrau kommt“, heißt es im Auschlössl nur noch, wenn sie, wie alle VerkäuferInnen, das MEGAPHON-Vertriebsbüro ansteuert, um die  jeweils aktuellen Ausgaben einzukaufen. Doch die junge Mutter spart sich die Zeit, ins Büro zu kommen. Sie stoppt ihr Fahrrad am Fenster, klopft kräftig dagegen und lässt sich ihr Paket durchs Fenster aushändigen. Mit mindestens einem Kind im Schlepptau. Die anderen Kinder sind dann noch im Kindergarten oder bei der Tagesmutter. Je nachdem.
Ob sie ihrer Mutter österreichische Geschichten aus dem Kindergarten mitbringen, fragen wir die Kinder beim Interview-Besuch in der kleinen Wohnung. Aber sicher! „‘Des Kaisers neue Kleider’ ist ihr Lieblingsmärchen“, sagt der Fünfjährige begeistert und seine damit angesprochene Schwester strahlt: Der Kaiser, der so viele bunte Kleider hat und so eingebildet ist! Und der für seine Eitelkeit damit bestraft wird, dass er splitterfasernackt durch die Straßen stolziert, ohne seine Blöße zu bemerken – ja, das ist ein gefundenes Fressen für Kinder, die selbst kaum das Nötigste zum Leben haben.

Gott hilft immer. Nur sonntags, da putzt sich die kleine Familie groß heraus: für den Gottesdienst. Denn da hat Osayemhenre Otoghaguamhen Gewissheit: Gott hilft immer! Ob sie ein konkretes Beispiel nennen kann, fragen wir aufs Geratewohl. Und ob, kommt es zurück, so lebhaft, als hätte sie auf diese Frage nur gewartet. Ein paar rasche Handgriffe und schon hält sie triumphierend ein Schreiben der Grazer Staatsanwaltschaft in der Hand: „Verfahren eingestellt“ steht darauf.
Als sie dann die Geschichte dazu erzählt, ist man tatsächlich geneigt zu glauben, dass Gott seine Hände da direkt mit im Spiel hatte. Eine Kontrolleurin hatte sie in der Straßenbahn ohne Fahrschein erwischt. „Sie hat mich angezeigt und behauptet, ich hätte sie geschlagen und sogar verletzt. Natürlich war das nicht so. Ich habe gebetet und gebetet und das hat geholfen. Keine Strafe!“
Für ihre eigene Zukunft wünscht sie sich nicht mehr, als an einem sicheren Ort zu sein – in Österreich. Sie träumt davon, eines Tages ein kleines Geschäft zu haben, in dem sie afrikanische Waren anbietet, denn „Business“, da kennt sie sich aus. „Meine Mutter hatte ein Geschäft, da habe ich viel Erfahrung gesammelt“, sagt sie. Doch auf eine Umsetzung dieses speziellen Traumes wagt sie nicht wirklich zu hoffen. Obwohl sie sich von den ÖsterreicherInnen gut angenommen fühlt: „Mir haben schon viele von ihnen geholfen.“ Da fällt ihr noch ein wichtiger Wunsch ein: dass auch ÖsterreicherInnen mehr Gottvertrauen hätten. „Schreiben Sie am Schluss Ihres Artikels: Austria ist für Jesus bestimmt!“ und fröhlich ergänzt sie: „Für Gott, Supergott!“  

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