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Meister kleiner Schritte

Von: Annelies Pichler

Mit Feuer. In seiner Heimat Nigeria setzte sich John Ehi für mehr Gerechtigkeit ein. Heute ist er Vize-Sprecher der MEGAPHON-VerkäuferInnen.

Von den Dingen, die John Ehi an Österreich schätzt, hebt er eines besonders hervor: Wasser. Immer noch grenzt es für ihn an ein Wunder, dass es hierzulande überall einfach so aus der Leitung kommt. Dort, wo er aufgewachsen ist, in Port Harcourt, Nigeria, wird das Wasser bezahlt und in Kanistern nach Hause geschleppt. Man sollte meinen, im Nigerdelta fließe das Wasser in Riesenmengen. Stimmt, doch Trinkwasser ist rar. Reich ist das Land auch an Öl, doch auch davon hat die Bevölkerung kaum etwas. Dafür vergiftet das „schwarze Gold“ das Land und macht die Region zur Kampfzone.
In Ehis Heimatstadt Port Harcourt eskaliert die Gewalt besonders oft. Erschüttert von den Problemen seiner Region, begann Ehi sich zu engagieren. „Ich war Führer der Jugendbewegung des Stadtteils Rumukuta. Wir wollten, dass die Hälfte des Erlöses aus den Ölgeschäften an die Bürger der Region geht. Wir haben für Schulen gekämpft und freie Mahlzeiten für die Bevölkerung.“ Politisches Engagement im Nigerdelta birgt sehr viel Gefahrenpotenzial – schließlich sah sich der junge Aktivist zur Flucht gezwungen.

Daheim in der Vermittlerrolle. In Österreich, wo er Zuflucht gefunden hat, setzt er jetzt Schritt für Schritt in eine bessere Zukunft. Kleine Schritte, denn mehr erlaubt ihm die Gesetzeslage nicht. Als MEGAPHON-Verkäufer geht er Tag für Tag unermüdlich auf die Menschen zu. Lacht, scherzt, preist sein Produkt an. Mit dem Geld, das er dabei verdient, finanziert er sich Deutschkurse. Viel Zeit für anderes bleibt ihm nicht. Doch wann immer es geht, surft er im Internet.  „Ich lerne da viele Menschen kennen – und kann auch mein Deutsch verbessern“, streicht er Vorteile der virtuellen Kommunikation hervor.
Das direkte Miteinander vernachlässigt er deswegen aber keinesfalls. Erst vor Kurzem wurde er zum stellvertretenden VerkäuferInnen-Sprecher in der Steiermark gewählt. Zuvor hatte er eine anfeuernde Rede gehalten und dabei war kaum zu übersehen, dass hier jemand am Wort war, der auch schon zuvor flammende Ansprachen vorgetragen hatte. Jetzt ist John EhiAnsprechpartner für alle rund 150 VerkäuferInnen und fungiert als deren Interessenvertreter. Dass er damit auch ein wenig mehr in der Öffentlichkeit steht, macht ihm sichtlich Spaß – nicht zuletzt dann, wenn es darum geht, sich im besten Licht zu zeigen.
Was er sich wünschen würde, wenn das Wünschen noch etwas brächte? „Dass ich mein Studium mit einem österreichischen Abschluss beenden kann: Schwerpunkt Merchandising oder Markenentwicklung.“ Doch dieser Weg scheint ihm aus heutiger Sicht alles andere als gangbar. Denn dafür genügen die vielen kleinen Schritte nicht. Man müsste große setzen.  

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