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Emmanuel Alphonsus

Von: Sonja Harter

HAUPTSACHE SICHER. „Der Schnee kommt von Gott“, sagt Emmanuel Alphonsus. „Kein Mensch kann das Wetter ändern. Also hat es gar keinen Sinn, sich darüber zu beschweren.“

An diesem Nachmittag, an dem so mancher Grazer über sein eingeschneites Auto oder die verspäteten Busse schimpft, liegen bestimmt 20 Zentimeter Schnee. Tendenz: steigend. Doch der 37-jährige Nigerianer aus dem Kaduna State im Norden des Landes, der seit neun Jahren in Graz das MEGAPHON in der Hans-Sachs-Gasse verkauft, lässt sich davon nicht beeindrucken. Zu unserem Interview im Au­schlössl kommt er dick eingepackt. Er trägt zwei verschiedene Handschuhe.
Über seine Vergangenheit möchte Emmanuel Alphonsus nicht sprechen. Sie ist allzu schmerzhaft. Doch das, was er kurz darauf sagt, spricht Bände: „Man steigt in ein Flugzeug, um an einem sicheren Ort zu landen. Egal wo, Hauptsache sicher.“ Vor allem glaubt er an Veränderung, an den Blick nach vorne. „Harte Zeiten dauern nicht ewig an“, ist er überzeugt. Ob es hier in Österreich besser ist? „Auf der ganzen Welt ist es doch gleich: Es gibt Höhen und Tiefen, manchmal ist das Leben süß, manchmal nicht.“ Da kommt der Cappuccino. Emmanuel dreht die Zuckerrolle in den Händen und
gri­nst: „Sweet up your life“ steht da. Der Zucker in seinem Leben als Straßenverkäufer sind die vielen Freunde, die er gewonnen hat, seit er hier ist. Die MEGAPHON-Community ist für ihn wie eine große Familie. Dennoch vermisst er seine Verwandten, die in Nigeria zurückgeblieben sind. „There's no place like home“, sagt er wehmütig. Aber die positiven Begegnungen mit seinen Kunden motivieren ihn, von Montag bis Samstag vor dem Tchibo zu stehen. Dreimal pro Woche geht er in das „God's Deliverance Centre“ in der Kapellenstraße 8. „Die Kirche ist ein guter Ort. Egal ob du physische oder spirituelle Probleme hast. Hier wird dir geholfen.“
Dann erzählt Emmanuel doch etwas von Nigeria. Dass es dort beispielsweise rund 230 Sprachen gibt. Und hier sieht er auch ein Problem: „Sprachbarrieren sind eine Krankheit“, weiß er aus eigener Erfahrung. Missverständnisse säen Gewalt. Deshalb lernt Emmanuel seit er in Österreich ist Deutsch. Vier Zertifikate habe er inzwischen, das Interview möchte er aber doch lieber auf Englisch führen. Aber Weiterlernen, um dort anzuknüpfen, wo er in seiner Heimat aufgehört hat, ist sein großer Traum. „Zu Hause habe ich Medizin studiert“, sagt er mit traurigem Blick. „Es wäre mein größter Wunsch, wieder etwas in diesem Bereich zu machen. Und sei es nur als ‚Krankenschwester‘.“ Er würde auch wieder ganz von vorne beginnen, da er keinerlei Zeugnisse mit nach Österreich bringen konnte.
Wo er sich in fünf Jahren sieht? Emmanuel lacht: „In einer hohen Position. Ich möchte etwas erreichen.“ Sein größter Wunsch wäre es, jemanden zu finden, der ihm hilft, im medizinischen Bereich Fuß zu fassen.

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