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Lucky Donnerstag

Die Künstlerin Luise Kloos porträtiert die Megaphon-Verkäuferin Yaa Sakyiwa Gyau.

Yaa bedeutet Donnerstag. Yaa Sakyiwa Gyau ist an einem Donnerstag geboren. In Ghana ist der erste Vorname der Wochentag an dem man geboren wurde.
Als wir uns zum ersten Mal begegnen sieht sie mich mit  prüfendem Blick an. Yaa ist eine Frau die viel erlebt und erlitten hat. Sie will vergessen, ein neues Leben gestalten und sich einen Traum erfüllen: ein eigenes Geschäft in Graz führen. Aber dafür braucht sie ein Visum und das nötige Geld. Das Visum kam jetzt, an einem Don-nerstag. Ein echter Glückstag.

Seit 2004 lebt Yaa in Graz. Sie verließ ihr Land aus politischen Gründen und erreichte Europa mit dem Boot. Ghana ist ein reiches Land, aber die Bevölkerung ist arm und die Korruption allgegenwärtig. Sie hat keine guten Erinnerungen: „Es ist unendlich traurig, wenn
Frauen auf einem Boot flüchten.“

In Österreich traf sie viele Menschen, die sie unter-stützten. Auf meine Frage, wie sie die schweren Zeiten durchstehen konnte, lautet ihre Antwort: „In meinem Gebet und Vertrauen zu Gott.“ Yaa ist gläubig. Sie betet für sich, für ihre Familie, für das Land Österreich.  
Überhaupt meint sie, dass die Österreicher mehr beten und die Bibel lesen sollten. Yaa liest die Bibel in ihrer Muttersprache Tiw. Das ist ihre Verbindung zum Heimatland.
Yaa führt ein äußerst bescheidenes Leben. Bisher lebte sie in einem Zwei-Bett-Zimmer und verfügt über ein monatliches Budget von 150 Euro, das sie für Essen ausgibt. Und dann gibt es noch die Straßenzeitung Megaphon. Ihr Arbeitsplatz ist die Straße, genauer die
Herrengasse, Ecke Stempfergasse. Dort verkauft sie Tag für Tag das Megaphon. Sie kennt das Leben der Straße, kennt den Rassismus. Aber so, wie sie es sagt, ist Rassismus nicht ihr Problem. Rassismus gibt es überall, auch in ihrem Herkunftsland.

Vielmehr beklagt Yaa den Verlust der Religion und macht sich täglich ein Bild über die jungen Menschen, die betrunken durch die Straßen ziehen, Zigaretten und Drogen konsumieren. Sie meint, wenn Eltern ihren Kindern Gott nahe bringen, dann lösen sich die Probleme.

In Schulen engagiert sich Yaa, um über ihre ethische Auffassung zu sprechen und den jungen Menschen in Österreich ein Beispiel zu geben. Sie kommuniziert am liebsten in Englisch, diese Sprache lernte sie von ihrem Vater, der ein Lehrer war.

Seit sie am Donnerstag ihr Visum bekam, darf sie sich eine eigene Wohnung nehmen. Yaa Sakyiwa Gyau will Geld verdienen, arbeiten, sie will besser Deutsch lernen. Denn ihren Traum vom eigenen Geschäft will sie unbedingt umsetzen.

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Luise Kloos,geb. 1955 in Judenburg, lebt und arbeitet in Graz.
1995 gründete sie next - Verein für zeitgenössische Kunst, seit 2011 ist sie die Präsidentin der Gruppe 77. Als bildende Künstlerin wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ihre Arbeiten sind in internationalen Ausstellungen vertreten. Ihr letztes Projekt war das vielbeachtete EU-Kulturprojekt „city-books“. citybooks graz erschien bei der edition keiper.

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