Nach Lockdown

Seit Mitte März waren die 250 Megaphon-Verkäufer_innen nicht mehr auf den steirischen Straßen zu sehen. Anfang Mai kehrten sie zurück – mit Mundschutz, Desinfektionsmittel und Spardose für Hygiene und Schutz im Verkauf.

Krisen treffen Menschen in sozialer Notlage besonders hart. Straßenzeitungsverkäufer_innen sind keine Ausnahme. Denn um ihren Beruf auszuüben, müssen sie im öffentlichen Raum stehen. Das war in den vergangenen Wochen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der akuten Covid-19-Situation nicht möglich. Ab Dienstag, 5. Mai, kehrt das Megaphon und seine 250 Verkäufer_innen wieder in das Straßenbild der Steiermark zurück.

„Unsere Verkäufer_innen wollten schon lange wieder auf die Straßen zurückkehren, da sie von der Coronakrise besonders hart getroffen wurden und vor dem Nichts stehen“, erklärt Megaphon-Leiterin Sabine Gollmann. „Wir wollen unsere Verkäufer_innen bestmöglich schützen und sie erhalten daher ein Corona-Startpaket für den Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten.“

Corona-Startpaket für die Megaphon-Verkäufer_innen
Dieses Startpaket enthält eine Schutzmaske, Desinfektionsmittel, Handschuhe, eine Spardose sowie ein A3-Plakat, das den kontaktlosen Straßenzeitungsverkauf in Covid-19-Zeiten für die Käufer_innen erklärt. Außerdem darf jede_r Verkäufer_in alte Straßenzeitungen, die nicht mehr verkauft werden konnten, gegen das aktuelle Mai-Heft umtauschen und erhält 10 Hefte gratis zum Start. Darüber hinaus erhält jede_r Verkäufer_in Lebensmittelgutscheine im Wert von € 50,-.

Zwei Schwestern haben die Schutzmasken ehrenamtlich genäht: Sarah und Viktoria Stiendl haben dazu 20 m2 Stoff, 2 Kilometer Nähseide und 250 Meter Baumwollband verarbeitet. Der Kosmetikhersteller Ringana stellt das Desinfektionsmittel zur Verfügung, die 250 Spardosen kommen von der Hypo-Bank Steiermark – bereits mit jeweils 10 Euro als Spende gefüllt.

Welle der Solidarität
Für die Megaphon-Verkäufer_innen ist der 5. Mai ihr persönlicher Start in eine geänderten Alltag. Am 16. März hatte das Megaphon seinen Straßenverkauf vorübergehend ausgesetzt. „Wir mussten diesen Schritt setzen, um unsere Verkäuer_innen und ihre Mitmenschen zu schützen. Aber er hatte schwerwiegende Folgen für unsere Verkäufer_innen“, erklärt Sabine Gollmann, Megaphon-Leiterin. Unter dem Titel „Lesen. Spenden. Existenzen sichern.“ arbeitete die Megaphon-Redaktion online weiter und bat um finanzielle Unterstützung des Megafonds, eines Covid-19-Soforthilfefonds für die 250 Megaphon-Verkäufer_innen.

„Unsere Existenzberechtigung sind die 250 Verkäufer_innen – wir haben selbst und in unserem Umfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen“, erklärt Megaphon-Chefredakteur Peter K. Wagner. Die hauptamtlichen Megaphon-Mitarbeiter_innen leisteten während der Coronakrise ehrenamtliche Mehrarbeit. Mit Mariella Kainz im Vertrieb und dem Social-Media-Experten David Kinzer in der Online-Redaktion erhielt das Megaphon darüber hinaus auch Unterstützung von Freiwilligen. Der Einsatz des gesamten Megaphon-Teams zahlte sich aus. Über 23.000 Euro konnten gesammelt werden. Die Gelder gingen ausnahmslos und direkt an die Verkäufer_innen, die Zuschüsse zu Mieten, Versicherungen oder Stromrechnungen bzw. Gutscheine für Lebensmittelmärkte erhielten.

23.000 Euro an Spenden
„Der Großteil der Gelder wurde von unseren treuen Leser_innen gespendet. 2.500 Euro stellte uns die Hypo Steiermark zur Verfügung. Es war eine außergewöhnliche Welle der Solidarität, die unsere Verkäufer_innen bisher durch die Krise getragen hat. Wir möchten uns dafür aufrichtig bei allen Menschen bedanken, die uns geholfen haben“, erklärt Gollmann.

Herausforderndes Jubiläumsjahr
Auch die Situation für die Straßenzeitung selbst ist herausfordernd – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, feiert das Megaphon doch im Herbst 2020 seinen 25. Geburtstag. Das Projekt, das Teil der Caritas Steiermark ist, konnte im April erstmals in seiner Geschichte zu Monatsanfang kein neues Magazin veröffentlichen. Die fehlenden Einnahmen durch den Heftverkauf – 50 Prozent des Verkaufspreises bleiben den Verkäufer_innen, 50 Prozent dem Projekt zur Deckung der laufenden Kosten – sowie Inserate müssen in den kommenden Wochen und Monaten aufgefangen werden.

„Wir hoffen daher, dass uns viele Menschen weiterhin unterstützen – mit dem Kauf unserer Straßenzeitung, unseres neuen Noitzbuchs ‚Briefe an mich’ oder dem Abschluss eines Solidaritätsabos“, erklärt Sabine Gollmann.