Fotos: Thomas Raggam
Salah Barre Hussein
Verkauft seit über zehn Jahren das Megaphon.
Knapp zwei Meter über dem Boden schwingt ein Strohsonnenhut im Schritttempo hin und her. Er gehört Salah Barre Hussein. Draußen ziehen dicke Regenwolken auf. Salah Barre macht keine Anstalten, seine Sonnenbrille abzunehmen. Normalerweise würde der Mann im grauen Anzug heute in Kapfenberg Megaphon verkaufen, „aber ohne Anzug“, übersetzt sein Freund, der neben Salah Barre deutlich kleiner wirkt, als er vermutlich ist. Beide lachen. Um Vendor of the Month zu
werden, ist Salah Barre heute extra mit dem Zug nach Graz angereist. Unser Fotograf ist noch nicht eingetroffen, da positioniert er sich schon mit einer Auslese an Megaphon-Produkten im Innenhof des Marianums. Hinter der dunklen Brille lassen sich aufgeregte Augen erahnen. Doch vor dem Shooting wollen wir unseren Verkäufer noch ein wenig besser kennen lernen.
werden, ist Salah Barre heute extra mit dem Zug nach Graz angereist. Unser Fotograf ist noch nicht eingetroffen, da positioniert er sich schon mit einer Auslese an Megaphon-Produkten im Innenhof des Marianums. Hinter der dunklen Brille lassen sich aufgeregte Augen erahnen. Doch vor dem Shooting wollen wir unseren Verkäufer noch ein wenig besser kennen lernen.
Megaphon verkaufe ich …
schon seit über 10 Jahren. Zuerst war ich in Mürzzuschlag, dann in Judenburg. Seit vier Jahren verkaufe ich in Kapfenberg. In Österreich bin ich seit 2009. Am Anfang war ich in Klagenfurt und habe dort als Putz- und Kochhilfe gearbeitet. Als ich nach Mürzzuschlag gekommen bin, habe ich somalische Personen gesehen, die dort Megaphon verkauft haben. Ich habe nachgefragt, was das ist, bin mit ihnen zum Megaphon-Büro gegangen und habe angefangen zu arbeiten. Ich bin sehr zufrieden damit, Megaphon zu verkaufen. Und der Verdienst reicht zum Überleben. Aber manchmal ist es schon harte Arbeit, vor allem im Winter, wenn der Schnee kommt. Umso weiter man in den Norden kommt, umso kälter wird es.
Die Menschen …
in meiner Gegend sind sehr nett. Ich hatte nie Probleme mit ihnen. Es gibt natürlich überall auch rassistische oder fremdenfeindliche Personen, aber dort, wo ich verkaufe, sind 95 Prozent freundlich. Mit meinen Kund:innen
kommuniziere ich in einer Mischung aus Englisch und Deutsch. „Hello, guten Mor- gen! Heute neues Megaphon.“
Ich wohne in Mürzzuschlag. Dort gibt es noch vier andere Menschen, die aus Somalia kommen, wie ich. Ich treffe sie regelmäßig und wir sitzen abends oft zusammen, kochen gemeinsam und reden.
In Somalia …
gibt es sehr viel Viehzucht. Außerdem werden dort Parfums und Raumdüfte hergestellt. Vor dem Bürgerkrieg gab es auch extrem viel Bananenexport. Doch seit der Krieg 1991 ausgebrochen ist, gibt es kaum noch Verkaufsmöglichkeiten. Davor war Somalia ein super Land mit viel Export und Import. Jetzt gibt es zudem auch wenig Regen und dadurch extreme Dürre, wenig Landwirtschaft usw. Ich habe in Somalia als LKW-Fahrer gearbeitet. Somalia hat fast 650.000 Quadratkilometer. Es ist acht Mal so groß wie Österreich. Da gibt es weite Strecken, aber ich habe dazwischen viele Stopps eingelegt.
In Österreich …
habe ich subsidiären Schutz. Ich möchte nicht nach Somalia zurück, sondern hier bleiben. Ich bin hier sehr zufrieden. In meinem Herkunftsland gibt es viele Probleme. Lieber sterbe ich, als nach Somalia zurückzugehen. Ich bin der Einzige aus meiner Familie, der noch am Leben ist. Meine Geschwister, mein Vater, alle meine Lieblinge wurden umgebracht. Ich bin um mein Leben gerannt und möchte nicht mehr zurück.
An meinem Ruhetag …
genieße ich das Leben. Ich arbeite sechs Tage die Woche. Am Sonntag bleibe ich zuhause. Wenn ich unter der Woche voll gearbeitet habe, bleibt keine Zeit zum Wäschemachen, Wohnungaufräumen usw. Das erledige ich dann an meinem Ruhetag. Manchmal koche ich auch gemeinsam mit den anderen Somali. Wir essen meistens Reis oder Pasta mit Fleisch und Banane. In Somalia gibt es fast kein Gericht ohne Banane. Entweder wird die Banane in den Reis oder die Pasta gemischt, manchmal
liegt einfach eine ganze geschälte Banane als Beilage am Teller.
Ich wünsche mir …
gesund zu bleiben, lange zu leben und Geld zu verdienen. Ich bin schon 56 Jahre alt, aber das verstecke ich unter meinem Hut. (lacht) Das Verkaufen hält mich fit.
S A L A H B A R R E H U S S E I N S M U S I K T I P P S :
- Mohamed Sulayman Tubeec (somalischer Sänger und Plattenproduzent mit dem Spitznamen „King of Voice“, *1941 † 2014)
- Xalimo Khaliif Magool (bekannte somalische Sängerin, *1948 † 2004)
- Michael Jackson
- Bob Marley