Jänner 2026

Megaphon #359

Digitaler Alltag, analoge Folgen

Du wachst morgens auf. Was ist das Erste, das du tust?
Du isst zu Mittag. Wie oft checkst du dabei dein Smartphone?
Du stehst im Supermarkt und merkst, dass du dein Smartphone vergessen hast. Wie fühlst du dich?
Und was schätzt du: Wie viel Zeit verbringst du täglich am Smartphone?

Gratuliere – vielleicht nutzt du es moderat. Vielleicht verteilst du deine Zeit aber auch auf verschiedene Bildschirme oder neigst zu Social‐Media‐Abhängigkeit oder übermäßigem Gaming … Statistisch gesehen ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Teil deines Alltags digital ist. Denn: Über 95% der österreichischen Bevölkerung nutzen digitale Medien wie Internetdienste, und rund 80 % sind in sozialen Netzwerken aktiv.

Digitale Medien sind aus unserem Leben also nicht mehr wegzudenken. Und so viele Vorteile das digitale Zeitalter bietet, so viele Unsicherheiten und Risiken bringt es mit sich. Weil es – gemessen an der Menschheitsgeschichte – ein junges Phänomen ist, fehlen uns noch viele Antworten darauf, wie wir gut damit umgehen.

Spätestens seit der Einführung des bundesweiten Smartphone‐Verbots bis zur achten Schulstufe ist das Thema medial allgegenwärtig. Schulen sind Orte, an denen über etwas verhandelt wird, das weit über ihre Tore hinausreicht: Wie viel Digitales tut uns gut? Wo liegen Grenzen? Wen müssen wir als Gesellschaft schützen?

In dieser Ausgabe nähern wir uns diesen Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln. „Eine Oberstufe zieht den Stecker“ zeigt ein neues schulisches „Normal“ Seite 8. Medienpädagoge Lukas Wagner erklärt, wie digitale Medien junge Menschen prägen Seite 13. Die Zahlen werfen einen Blick auf Online‐Trends Seite 4, während die Buchrezension beleuchtet, warum sich immer mehr Menschen „Digitale Diagnosen“ stellen Seite 6.

Falls du dir jetzt denkst: Was geht mich das an? Gratuliere – dann gehörst du zu den 5% der österreichischen Bevölkerung, die von sich sagen können: analoger Alltag, ohne digitale Folgen.

Editorial: Julia Reiter

In diesem Monat zu lesen

 

„Eine Oberstufe zeiht den Stecker“

Was passiert, wenn eine ganze Oberstufe plötzlich offline ist? An einer Grazer Fachschule müssen seit November selbst volljährige Schüler:innen ihre Handys abgeben. Zwischen Schutz, Kontrolle und Widerstand zeigt sich: Das Smartphone ist längst mehr als ein Gerät — es ist Teil von Identität, Sicherheit und sozialem Leben.
Text: Julia Reiter

Wenn Effizienz wichtiger wird als Menschenrechte.

Ein Kommentar über politische Entscheidungen, die Kinder mit Behinderungen systematisch benachteiligen.
Text: Claudio Niggenkemper

„Gemeinsam beengt – Leben Santa Cruz del Islote“

Auf einer winzigen Insel vor der kolumbianischen Karibikküste leben fast 1000 Menschen auf engstem Raum – ohne Privatsphäre, mit wenig Infrastruktur, aber in einer starken Gemeinschaft.
Fotoessay: Mauricio Bustamante