Text: Elias Tockner
Fotos: Thomas Raggam

Joseph Didia

Verkauft seit knapp fünfzehn Jahren das Megaphon vor dem Spar in der Friedrichgasse.

Mit dem rot-weiß-roten Trikot der österreichischen Nationalmannschaft und der dazu passenden Kappe begrüßt uns Joseph Didia Ende Juni vor dem Spar in der Friedrichsgasse in Graz. Passend gekleidet zur damals stattfindenden Fußball-Europameisterschaft steht der aus Nigeria stammende Megaphon-Verkäufer mit einem breiten Grinsen vor dem Supermarkt. Joseph verkauft seit über einem Jahrzehnt das Megaphon an genau diesem Ort. Mittlerweile hat er sich so gut in Österreich integriert, dass ein Interview auf Deutsch keine großen Schwierigkeiten darstellt. Wegen seiner offenen und positiven Art
startet das Gespräch mit dem Verkäufer des Monats September quasi von selbst.

Als Megaphon-Verkäufer …
bin ich seit 2009 aktiv. Schon von Anfang an verkaufe ich beim Spar in der Friedrichsgasse. Das ist mein Platz hier und ich fühle mich sehr wohl. Ich kenne bereits die Stammkund:innen und die meisten sind super freundlich. Die Leute sagen oft zu mir: „Joseph, du lachst immer.“ Warum nicht? Man muss immer positiv bleiben, negativ gibt es bei mir nicht. Mit den Leuten spreche ich hauptsächlich Deutsch und ab und zu mal Englisch. Ich bin sehr froh darüber, dass ich nun zwei Sprachen sprechen kann. Auch das Arbeiten an der frischen Luft macht mir nichts aus.

In Nigeria …
ist das Leben ganz schwer. Es leben ca. 220 Millionen Menschen in Nigeria und die meisten haben sehr wenig Geld. Nigeria wird offiziell zwar demokratisch regiert, jedoch herrscht auch heute noch viel Korruption in der Politik. Außerdem gibt es zwischen Christen und Muslimen immer wieder Konflikte. In Österreich ist das Leben anders und auch besser. Ein großer Unterschied ist natürlich auch die Kultur.

Österreich ist …
für mich wie meine zweite Heimat. Graz ist in meinen Augen die beste Stadt. Mir gefällt das Leben hier und auch die Menschen sind immer freundlich. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Mittlerweile könnte man sagen, dass ich ein richtiger Steirer geworden bin. Zwischenzeitlich hatte ich bereits in einer Grazer Bäckerei eine Ausbildung gestartet, jedoch mussten durch die Corona-Krise viele Filialen schließen und ich und viele weitere Mitarbeiter haben ihren Job verloren.

In meiner Freizeit …
beschäftige ich mich am liebsten mit Fußball. Seit ich ein Kind bin, bin ich großer Fußballfan. Hier in der Steiermark gibt es viele gute Vereine, aber für mich ist Sturm Graz die Nummer eins. Außerdem sind blau und weiß meine Farben, weil ich schon immer Fan vom englischen Klub Chelsea war. Mein Lieblingsspieler ist der Franzose Ngolo Kante. Gerne verbringe ich auch Zeit mit meiner Freundin und mit meinen Freund:innen, die zum Teil aus Österreich kommen.

Mein Lieblingsessen …
aus Nigeria nennt sich Egusi. Das ist eine Suppe, die einfach zu kochen ist, aber sehr lecker schmeckt. Die österreichische
Küche schmeckt mir auch gut, da gibt es viel Auswahl. Zuhause bekomme ich oft österreichisches Essen, weil meine Freundin Österreicherin ist. Palatschinken gehören auf jeden Fall zu meinen Favoriten.

Der Klimawandel …
betrifft uns alle. Nicht nur hier in Österreich, sondern auf der ganzen Welt spürt man seine Folgen. Auch in Nigeria gab es durch den Klimawandel extremes Wetter, wie Hitze- und Dürreperioden. Ich hoffe, dass sich das Klima in Zukunft wieder bessert. Da ich viel an der frischen Luft arbeite, spüre ich die Veränderung des Wetters immer mehr.

Für die Zukunft wünsche ich mir …
als Staplerfahrer arbeiten zu können. Das wäre ein großes Ziel von mir. Ich bin dankbar für den Job als Megaphon-Verkäufer, aber in Zukunft hoffe ich, in einer Firma arbeiten zu können.

 

J O S E P H  D I D I A S  M U S I K T I P P S :
Gospel-Musik, vor allem Fela Anikulapo Kuti (nigerianischer Musiker, 1938–1997)