Fotos: Ella Börner
Blessing Agbonghae
Überpünktlich im Augarten angekommen, werde ich gleich von meiner Interviewpartnerin Blessing überrascht. Auch sie ist etwas früh dran und antwortet selbstsicher auf meine zögerliche Frage, ob es sich für sie zeitlich gut ausgeht, mit
einem langgezogenen „Passt schon.“
Dass sie zu diesem Zeitpunkt nervös war, wie sie später gesteht, ist nicht zu merken. Von Beginn an zeigt sich Blessing offen und entspannt, was unser Gespräch angenehm und informativ macht. Und das, obwohl es sich um eine echte Premiere handelt: Es ist das erste Mal, dass eine Tochter unserer Verkäufer:innen interviewt wird.
einem langgezogenen „Passt schon.“
Dass sie zu diesem Zeitpunkt nervös war, wie sie später gesteht, ist nicht zu merken. Von Beginn an zeigt sich Blessing offen und entspannt, was unser Gespräch angenehm und informativ macht. Und das, obwohl es sich um eine echte Premiere handelt: Es ist das erste Mal, dass eine Tochter unserer Verkäufer:innen interviewt wird.
Familie: Freud und Leid zugleich
Während die dunklen Wolken der vergangenen Nacht langsam aufklaren, beginnt Blessing von sich zu erzählen. Sie ist 26 Jahre alt, jobbt in Teilzeit, macht ihre Matura und lebt seit über zehn Jahren
in Graz. Ursprünglich aus Nigeria, kam sie mit ihrer Mutter und ihren Brüdern nach Österreich, ihr Vater lebt bereits seit über 20 Jahren hier. „Ein Großteil meiner Familie ist hier, sogar mein Onkel. Ich glaube, das reicht auch“, erklärt sie verschmitzt. Noch lebt sie gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder und den Eltern zusammen. Das familiäre Zusammenleben bringt jedoch
auch Herausforderungen mit sich, besonders in Bezug auf traditionelle Rollenbilder. Blessing ist häufig diejenige, die zu Hause kocht und putzt, eine Situation, die sie als „nicht fair“ beschreibt. „Meine Mutter lässt mich einfach kochen, weil sie denkt, dass ich das für meinen zukünftigen Mann lernen muss und so, blah, blah, blah … “. Sie zeigt deutlich ihre Abneigung
gegenüber dieser Vorstellung. Wenngleich Blessing feststellt: „Manchmal ist es auch besser so. Wenn mein Bruder mal was im Haushalt macht, dann oft nicht richtig. Das hilft wenig.“ Auf meine Entgegnung, dass niemand lernt, der nicht muss, nickt sie sichtlich zustimmend.
Sprachenvielfalt und kulturelle Identität
Blessing ist nicht nur bilingual, sondern multilingual aufgewachsen. Bereits während des Interviews streut sie hin und wieder englische Begriffe in den steirischen Dialekt mit ein. Zuhause spricht sie mit ihren Eltern Englisch und Edo, ihre Muttersprache. In der Schule und bei der Arbeit verwendet sie Deutsch. Diese Vielsprachigkeit sieht sie als Vorteil, auch wenn es manchmal verwirrend sein kann. „Es ist eine Herausforderung, zwischen den Sprachen zu wechseln, aber es macht mich auch flexibler“, sagt sie. Englisch ist zwar eine weit verbreitete Sprache in Nigeria, doch Edo, eine der vielen lokalen Sprachen des Landes, ist ihre eigentliche Muttersprache. „Viele Leute denken, dass Englisch meine Muttersprache ist, weil ich aus Nigeria komme“, erklärt sie. „Aber das ist nicht der Fall. Edo ist die Sprache, die wir zu Hause sprechen.“
Neben Edo, Englisch und Deutsch spricht Blessing auch Pidgin-English, eine angepasste Form des Englischen, die in vielen Teilen Westafrikas verwendet wird. „Pidgin-English ist wie eine Mischung aus verschiedenen Sprachen und klingt wie ein Dialekt“, erklärt sie mir. „Es hat seine eigene Grammatik und seinen eigenen Wortschatz.“
Drei Kreuze machen
Unser Gespräch kommt auf politische Teilhabe. Wer in einem Land seinen Lebensmittelpunkt hat, sollte das Recht auf politische Teilhabe haben, darauf einigen wir uns schnell. Im Gegensatz zu ihren Eltern oder mir als deutschem Staatsbürger, durfte Blessing erstmals politisch mitbestimmen – immerhin ist sie seit einem Jahr Österreicherin. „Das war ein großer Moment für mich“, sagt sie. „Die österreichische Staatsbürgerschaft war nicht leicht zu bekommen. Es war ein langer Prozess, der viel Papierkram und Geduld erforderte, doch es hat sich gelohnt.“ Kein Wunder: Der österreichische Pass ermöglicht es, in über 188 Nationen visafrei einzureisen. Ihr jüngerer Bruder steht noch am Anfang dieses Prozesses.
New York, New York …
Blessing plant, nach ihrem Matura-Abschluss und mit genügend gespartem Geld, im Dezember nach New York zu reisen, um ihren Onkel zu besuchen. Die Reise plant sie gemeinsam mit einer Freundin. „Ich möchte die Welt sehen und neue Erfahrungen sammeln“, erklärt sie. Ihr Onkel lebt seit vielen Jahren in New York und hat sie eingeladen, die Stadt zu besuchen. Dank ihrer neuen Staatsbürgerschaft ist dies nun leichter möglich.
Was danach kommt, wird sich zeigen. Langfristig überlegt sie, BWL zu studieren. „Ich kann ganz gut mit Zahlen und könnte mir vorstellen, in der Buchhaltung oder im Controlling zu arbeiten“, sagt sie. Für sie ist das Interesse am Fach wichtiger als das Geld. Dass das funktioniert, sofern sie es sich vornimmt, daran haben weder ich noch sie Zweifel.
B L E S S I N G S M U S I K T I P P S :
- Chris Brown
- Tank
- Ginuwine