Dolmetsch: Parvis Tanha
Fotos: Thomas Raggam
Shahzade Naseri
Wartet seit über drei Jahren, dass sein Asylantrag bestätigt wird. In der Zwischenzeit lässt er sich jedoch nicht unterkriegen, verkauft das Megaphon und besucht Deutschkurse.
… und ich komme aus Afghanistan. Ich bin 24 Jahre alt und seit drei Jahren in Österreich. Als ich nach Österreich kam, ging es mir gesundheitlich sehr schlecht. Ich hatte Tuberkulose und musste dringend behandelt werden. Die Behandlung hat lange gedauert, aber mittlerweile bin ich wieder gesund und habe Energie. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist ein gutes Gefühl, hier sicher und gesund leben zu können.
Das Megaphon heißt für mich …
… eine Chance, auf eigenen Beinen zu stehen. Ein Freund hat mir davon erzählt, und so habe ich angefangen. Leider musste er Österreich verlassen, weil sein Asylantrag abgelehnt wurde. Die Arbeit als Verkäufer bringt gute und weniger gute Momente mit sich. Manche Menschen reagieren skeptisch oder unfreundlich, aber die meisten sind nett. Es gibt Tage, da läuft es richtig gut, und Tage, die schwieriger sind. Insgesamt überwiegen die positiven Erfahrungen. Ich würde sagen 80 Prozent positiv und 20 Prozent negativ.
Mein Alltag sieht so aus …
… dass ich morgens früh aufstehe und bis zum Nachmittag das Megaphon verkaufe. Manchmal habe ich auch wichtige Termine für mein Asylverfahren, dann geht das natürlich nicht. Danach gehe ich meistens nach Hause in meine Unterkunft in Bruck an der Mur. Ich wohne in einem Asylwohnheim in Bruck an der Mur. In der Unterkunft kann man leider nicht so viel
machen, aber Fußball war und ist eine große Leidenschaft von mir. Leider kann ich im Moment nicht spielen, weil ich verletzt bin. Ich hoffe, dass ich bald wieder auf dem Platz stehen kann. Zum Glück muss ich für die Medikamente nicht alleine aufkommen, davon wird einiges übernommen, das erleichtert es für mich sehr.
Für die Zukunft wünsche ich mir …
… eine gute Arbeit. Ich sehe
mich in einem handwerklichen Beruf, zum Beispiel als Mechaniker oder auf einer Baustelle. Solche Jobs machen mir Spaß, und ich habe darin auch schon etwas Erfahrung. Um das zu erreichen, möchte ich zuerst besser Deutsch lernen. Ich spreche zwar andere Sprachen, die helfen mir in Österreich leider nicht so viel. Ich kann Dari/Farsi, Paschtu und Arabisch sprechen.
Deutsch kann ich leider noch sehr wenig, deshalb möchte ich es unbedingt verbessern. Das ist wichtig, um hier wirklich anzukommen. Deutschkurse versuche ich bereits nebenbei zu machen, auch wenn es teuer und aufwändig ist. Ich warte jetzt fast drei Jahre in Österreich auf mein Asyl und würde noch viele weitere Jahre warten, wenn mir garantiert wird, dass ich
bleiben darf. Mein großer Wunsch ist es, ein stabiles und
sicheres Leben in Österreich aufzubauen.
Ein besonderer Dank …
… geht an die Menschen in Österreich, die mir geholfen haben. Ohne ihre Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen. Besonders dankbar bin ich für die medizinische Hilfe, die ich erhalten habe, und die freundlichen Begegnungen, die meinen Alltag bereichern. Diese Hilfe gibt mir Hoffnung und Zuversicht, dass ich hier ein neues Leben beginnen kann.
I N F O U N D A N M E R K U N G D E R R E D A K T I O N :
Die Dauer eines Asylverfahrens in Österreich variiert stark und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es gibt keine pauschale Angabe, da die Fälle individuell geprüft werden. Nach der Antragstellung und Registrierung wird geprüft, ob Österreich zuständig ist. Es folgt die Anhörung, bei der Fluchtgründe dargelegt werden. Anschließend entscheidet die
Behörde über Asyl, subsidiären Schutz oder eine Ablehnung. Im Falle einer Ablehnung kann Berufung eingelegt werden, wodurch sich das Verfahren verlängert. Währenddessen erhalten Asylsuchende Grundversorgung und dürfen bleiben.
S H A H Z A D E S M U S I K T I P P S :
Naz Dej und Fadia Shaboroz, Lieblingssong zurzeit: Teri Galyan