Fotos: Ella Börner
Helen Akataobi-Odili
verkauft vor dem Hofer am Grieskai in Graz das Megaphon.
Ich bin Studentin …
… des Masters Digital Health an der MedUni Graz. Wir lernen viel über App-Design, um Warteschlangen in den Krankenhäusern zu vermeiden, die momentan sehr lang sind. Mit einer App kommt man schneller zu ärztlicher Beratung,
Diagnose und Behandlung. Die Welt verwandelt sich in ein globales Dorf. Egal wo du lebst, du verdienst die richtige Behandlung und eine gute Gesundheit. In meinem Studium geht es darum, Gesundheitspflege für alle zugänglich zu machen. Ich bin 40 Jahre alt. Doch Bildung hat nichts mit Alter zu tun. Egal wie alt du bist, du solltest dir deine eigene Wissenswelt aufbauen und diese mit deinen Mitmenschen teilen! In meinem Heimatland war ich Forscherin im Bereich Chemie. Ich habe dort bereits gesehen, dass Österreich im Forschungs- und Bildungsbereich erstklassig ist. Da wusste ich: „This is the place to be.“ Deswegen bin ich mit einem Stipendium hierhergekommen. Ich flog von Lagos nach Wien. Ich kannte niemanden hier. Ich holte den Schlüssel der Unterkunft, die ich von Afrika aus gebucht hatte, irgendwo im Zentrum von Graz ab und zog in mein Appartement ein.
… des Masters Digital Health an der MedUni Graz. Wir lernen viel über App-Design, um Warteschlangen in den Krankenhäusern zu vermeiden, die momentan sehr lang sind. Mit einer App kommt man schneller zu ärztlicher Beratung,
Diagnose und Behandlung. Die Welt verwandelt sich in ein globales Dorf. Egal wo du lebst, du verdienst die richtige Behandlung und eine gute Gesundheit. In meinem Studium geht es darum, Gesundheitspflege für alle zugänglich zu machen. Ich bin 40 Jahre alt. Doch Bildung hat nichts mit Alter zu tun. Egal wie alt du bist, du solltest dir deine eigene Wissenswelt aufbauen und diese mit deinen Mitmenschen teilen! In meinem Heimatland war ich Forscherin im Bereich Chemie. Ich habe dort bereits gesehen, dass Österreich im Forschungs- und Bildungsbereich erstklassig ist. Da wusste ich: „This is the place to be.“ Deswegen bin ich mit einem Stipendium hierhergekommen. Ich flog von Lagos nach Wien. Ich kannte niemanden hier. Ich holte den Schlüssel der Unterkunft, die ich von Afrika aus gebucht hatte, irgendwo im Zentrum von Graz ab und zog in mein Appartement ein.
Deutsch …
… versuche ich abseits meines Studiums, das auf Englisch ist, zu lernen. Denn wenn ich fertigstudiert habe, möchte ich auch in Österreich arbeiten. Deswegen liebe ich es, Megaphon zu verkaufen. Manche Menschen sprechen Deutsch mit mir und erklären mir Wörter. Die jungen Österreicher:innen sprechen meistens sehr gut Englisch, doch durch Megaphon habe ich eine Plattform, auf der ich mich auch mit älteren Menschen unter- halten kann. Täglich treffe ich hier an die 500 Menschen, von denen ich lernen kann.
So viele Menschen lieben mich …
… was mich überrascht, als Person die Schwarz und nicht „weiß“ ist. Manche fragen mich, was ich aus dem Supermarkt brauche. Manchmal bringen sie mir Wasser oder Gutscheine mit. „10 Euro ist nicht viel“, entschuldigen sich manche. Und ich denke mir: Was?! 10 Euro ist sooo viel! Danke!!! Manche Kund:innen sind natürlich auch weniger freundlich. Sie schauen
mich an, als würden sie sich denken: „Such dir einen Job!“ Sie sehen nicht die Bescheidenheit, die nötig ist, um in ein anderes Land zu ziehen und bei Null anzufangen. Aber ich würde sagen 8 von 10 lieben mich. Manchmal sind es sogar 9 ;). Und die anderen sind mir egal. (lacht laut auf) Zurückweisung ist Teil des Lebens. Von Erfolgen können wir nicht viel lernen, vom Scheitern schon. Menschen feiern Erfolge gerne, aber sie schauen sich ungern die gescheiterten Anteile an. Diese sind auch Teil des Lebens. Niemand wird von allen gemocht. Deswegen stört mich das auch nicht im geringsten. Ich habe einen zu weiten Weg zurückgelegt, um mir darüber den Kopf zu zerbrechen.
… was mich überrascht, als Person die Schwarz und nicht „weiß“ ist. Manche fragen mich, was ich aus dem Supermarkt brauche. Manchmal bringen sie mir Wasser oder Gutscheine mit. „10 Euro ist nicht viel“, entschuldigen sich manche. Und ich denke mir: Was?! 10 Euro ist sooo viel! Danke!!! Manche Kund:innen sind natürlich auch weniger freundlich. Sie schauen
mich an, als würden sie sich denken: „Such dir einen Job!“ Sie sehen nicht die Bescheidenheit, die nötig ist, um in ein anderes Land zu ziehen und bei Null anzufangen. Aber ich würde sagen 8 von 10 lieben mich. Manchmal sind es sogar 9 ;). Und die anderen sind mir egal. (lacht laut auf) Zurückweisung ist Teil des Lebens. Von Erfolgen können wir nicht viel lernen, vom Scheitern schon. Menschen feiern Erfolge gerne, aber sie schauen sich ungern die gescheiterten Anteile an. Diese sind auch Teil des Lebens. Niemand wird von allen gemocht. Deswegen stört mich das auch nicht im geringsten. Ich habe einen zu weiten Weg zurückgelegt, um mir darüber den Kopf zu zerbrechen.
Der größte Unterschied zwischen Nigeria und Österreich …
… sind die Menschen. Österreicher:innen sind sehr reserviert. Nigerianer:innen reden viel und laut. Nigerianer:innen möchten dich ihre Präsenz spüren lassen. Österreicher:innen nicht. Ich sehe das als Zeichen von Respekt. Ein anderer Unterschied liegt in der Lebensweise. Letztens habe ich einen Kunden gefragt: „Wie geht es deiner Frau?“ Er hat geantwortet:
„Das ist nicht meine Frau, nur meine Freundin.“ Ich war ganz überrascht. Anscheinend glaubt er nicht an die Ehe und möchte keine Kinder haben. Da habe ich ihn gefragt: „Geht es dir eh gut?“ (lacht) Das würde es in Nigeria nicht geben. Wenn jemand keine Kinder hat, ist das ein Problem. Und Ehe ist obligatorisch.
Ich habe zwei Kinder …
… eines sieben und eines fünf Jahre alt. Sie leben bei meiner Schwiegermutter in Afrika, da mein Ehemann auch in Österreich ist. Ich vermisse die beiden sehr. Manchmal muss ich zuhause weinen. Aber wir versuchen genug zusammenzusparen, um unsere Kinder nachholen zu können. Für die österreichische Regierung wäre das kein Problem, aber wir konnten es uns bis jetzt leider nicht leisten. Letztens sah ich einen kleinen Jungen im Alter meines Sohns. Obwohl er „weiß“ war, hat er mich so an mein Kind erinnert – sehr verspielt … Jeden Abend videotelefonieren wir. Gerade hat mein zweiter Sohn seinen Zahn verloren. „Look Mummy, my teeth fell off.“ Und ich war nicht da, um es zu sehen.
Megaphon …
… hat mir schon sehr geholfen. Aber die Arbeit ist auch hart. Ich stehe viel, weil ich keinen Stuhl aufstellen darf. Es ist kalt, obwohl ich drei Winterjacken trage und heißes Wasser dabei habe. Aufwärmen kann ich mich nirgends. Nur der Spaziergang zur öffentlichen Toilette im Augarten vertreibt die Kälte ein wenig. Aber was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker. (lacht) Migration ist herausfordernd. Ich sage anderen: Wenn du kommen möchtest, komm mit einem Koffer voll Geduld! Megaphon
hat mir eine weiche Landung beschert, aber ich hoffe, dass ich irgendwann andere Arbeit finde.