Fotos: Ella Börner
Alexander Agbontean Idehen
Verkauft das Megaphon beim Hofer in Gratwein.
Mein Name ist …
… Alexander Agbontean Idehen und ursprünglich komme ich aus Nigeria. Ich lebe seit 2004 in Graz. Damals habe ich angefangen, das Megaphon zu verkaufen. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Einsätze an Samstagen beim Bauernmarkt in St. Peter. Unter der Woche habe ich bei der Firma Saubermacher Mülltonnen eingesammelt oder bei der Öko-Service GmbH gearbeitet – mit der Heckenschere oder beim Müllsammeln auf Feldern, in Vorgärten – bis hinaus nach
Bruck an der Mur. Irgend- wann musste ich damit aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Seitdem ist das Megaphon für mich nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch eine Lebensader. Ich habe keine Zähne mehr, schlafe nur mithilfe von Medikamenten und bin körperlich stark eingeschränkt. Aber ich habe meinen Platz gefunden. Hier vor dem Hofer in Gratwein, wo du mich siehst, wie ich das Megaphon verkaufe, fühle ich mich wohl. Früher musste ich mir jeden Monat selbst ein Ticket kaufen, was auf Dauer teuer war. Heute habe ich eine Jahreskarte, die brauche ich, um von Graz aus mit dem Bus oder der Bahn zu meinem Verkaufsplatz zu kommen.
… Alexander Agbontean Idehen und ursprünglich komme ich aus Nigeria. Ich lebe seit 2004 in Graz. Damals habe ich angefangen, das Megaphon zu verkaufen. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Einsätze an Samstagen beim Bauernmarkt in St. Peter. Unter der Woche habe ich bei der Firma Saubermacher Mülltonnen eingesammelt oder bei der Öko-Service GmbH gearbeitet – mit der Heckenschere oder beim Müllsammeln auf Feldern, in Vorgärten – bis hinaus nach
Bruck an der Mur. Irgend- wann musste ich damit aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Seitdem ist das Megaphon für mich nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch eine Lebensader. Ich habe keine Zähne mehr, schlafe nur mithilfe von Medikamenten und bin körperlich stark eingeschränkt. Aber ich habe meinen Platz gefunden. Hier vor dem Hofer in Gratwein, wo du mich siehst, wie ich das Megaphon verkaufe, fühle ich mich wohl. Früher musste ich mir jeden Monat selbst ein Ticket kaufen, was auf Dauer teuer war. Heute habe ich eine Jahreskarte, die brauche ich, um von Graz aus mit dem Bus oder der Bahn zu meinem Verkaufsplatz zu kommen.
Ich hatte große Pläne, …
wollte Schweißer werden und begann eine Ausbildung beim WIFI. Am liebsten hätte ich bei einem Bauunternehmen oder beim Schienendienst gearbeitet. Doch dann hat mich meine Krankheit ausgebremst. Jetzt wünsche ich mir vor allem eines: gesund zu werden. Wenn ich gesund bin, kommt der Rest von allein. Gesundheit ist die Basis für alles. Solange das nicht möglich ist, mache ich das, was ich kann: Megaphon verkaufen, Menschen begegnen, präsen sein. Viele, die damals Kinder
waren, sind heute erwachsen. Wenn Eltern mit ihren Kindern vorbeikommen, lachen sie, wenn ich zu ihnen sage: „Dein Baby ist jetzt ein großer Junge!“ Ich bin ein Teil dieses Ortes geworden, und das ist ein gutes Gefühl. Ich habe immer versucht, die Beziehung zu den Menschen mit Freundlichkeit zu pflegen, ganz egal, ob sie etwas kaufen oder nicht.
Früher …
bin ich Marathon gelaufen und habe Tischtennis gespielt. Ich war auch Teil der Megaphon-Fußballmannschaft. Wir haben sogar einmal den Augustin-Cup in Wien gewonnen, bei dem wir gegen Krone, Microsoft und die Kleine Zeitung gespielt haben. Das war 2008 oder 2009. Heute bin ich großer Fan von Sturm Graz. Für mich ist nicht ein einzelner Spieler wichtig, sondern das Team. Ein Spieler allein macht noch keine Mannschaft. Letztes Jahr haben sie die Bundesliga gewonnen und dieses Jahr wieder. Ich war auch beim letzten Spiel gegen Wolfsberg dabei, das war nervenaufreibend. Als Wolfsberg den Ausgleich erzielt hat, dachte ich, mein Herz bleibt stehen. Der Druck wurde immer größer, aber als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, war ich überglücklich. Ich habe auch zu meinen Kund:innen gesagt: „Nächstes Jahr spielt Sturm gegen Real Madrid im Champions-League-Finale!“ Sie lachen dann und sagen, ich übertreibe.
Für die Zukunft wünsche ich mir, …
dass ich weitermachen kann, hier, wo mich die Menschen kennen und mir mittlerweile vertrauen. Manche sagen, sie kennen mich schon lange. Das bedeutet mir viel. Ich bin kein Fremder, ich bin Nachbar, Teil dieses Ortes. Wenn ich das Megaphon verkaufe oder gerade sauber mache, bringen mir manche eine Cola oder geben mir Gutscheine vom Bäcker. Manche geben 20 Cent, einen oder sogar zwei Euro. Andere geben mir einfach ein Lächeln oder ein nettes Wort. Und das ist manchmal mehr wert. Ich habe mich an die Leute hier sehr gewöhnt. Sauberkeit, Respekt und ein gutes Miteinander sind mir wichtig. Wenn jemand etwas verliert, ein Handy, einen Schlüssel, rufe ich die Person zurück. Ich will, dass man sich auf mich verlassen kann. Deshalb verhalte ich mich immer ruhig, selbst wenn mich jemand beleidigt oder attackiert. Denn wer Ärger macht, verliert die (Megaphon-)Lizenz. Aber für mich zählen Würde, Respekt und Frieden.