Text: Elif-Malena Kemaoglu und Anna Stocker
Illustrationen: Lena Geiregger

Austin Amowie

möchte kein Foto von sich im Megaphon sehen. Das respektieren wir natürlich. Sie verkauft das Megaphon vor der Spar-Filiale in der Floßlendstraße 3, Graz.

Mein Name ist …
… Austin Amowie und ich komme aus Nigeria. Als ich vor sechs Jahren nach Österreich gekommen bin, hatte ich den Wunsch nach einem besseren Leben. Wie für viele Menschen, die in ein neues Land kommen, war der Anfang für mich hier schwer. Ich bemerke auch hier wieder, dass es in jedem Land gute und schlechte Dinge gibt, das ist ganz normal. Aber mein Leben in Österreich ist nun gut – hier in Graz geht es mir gut. Es ist besonders die Sicherheit, die ich hier so liebe. Sie ist so anders als damals in meinem Nigeria. Auch die Krankenhäuser gefallen mir, denn Patient:innen werden so lange untersucht, bis man das Problem erkennt und eine Lösung findet – das finde ich schön.

Meine Kindheit …
… habe ich geliebt. Als ich sechs Jahre alt war, bin ich mit meiner Großmutter auf einen Bauernhof gezogen. Natürlich gab es hin und wieder schwierige Zeiten, aber es war einfach perfekt. Meine Großmutter war perfekt – sie hat mir als Kind beigebracht, wie man Menschen liebt, sich kümmert und gibt, auch wenn man selbst nichts hat. Und ich habe von meinem Großvater gelernt, dass man niemals mit seinem Geld oder seinem Besitz angeben sollte. Das ist mir bis heute wichtig geblieben. Meine Kindheit war sehr schön und wenn ich heute darauf zurückblicke, bin ich dankbar dafür. Eine Sache, die mein Großvater und meine Großmutter oft zu mir gesagt haben, war: „Das Leben ist nicht immer leicht. Wenn du aber geduldig bist, hast du Weisheit und dann wird das Leben gut zu dir sein. Verliere nie die Hoffnung.“ Sie beide waren immer so liebevoll zu mir und ich vermisse sie sehr – für mich waren sie einfach perfekt.

Als ich noch ein Kind war, habe ich es besonders geliebt, zu singen – das tue ich auch heute noch mit viel Freude. Ich bin Chorsängerin und singe besonders gerne mit meinen Freundinnen und Freunden in der Kirche. Wir essen, tanzen und singen
zusammen und wir lieben einander. Ich habe viele Freundinnen und Freunde. Jeder ist mein Freund – ich liebe alle. Das ist das Schönste für mich.

Meine Familie …
… ist sehr wichtig für mich. In meinem Heimatland wohnen meine Cousinen und Cousins und mein Bruder. Ich vermisse sie alle, darum versuche ich, oft mit ihnen zu sprechen und in Kontakt zu bleiben. Meine Familie ist das Beste für mich: Egal was heute passiert – Freundinnen und Freunde können dich immer enttäuschen. Aber deine Familie bleibt bei dir und ist für dich da, egal was kommt. Ich habe selbst zwei Kinder, meine eigene kleine Familie. Mein Sohn ist 18 Jahre alt und lebt in Afrika, meine Tochter ist acht Jahre alt und lebt hier mit mir. Meine Kinder machen mich am glücklichsten. Wenn ich zurückblicke auf das, was ich durchgemacht habe, habe ich nicht geglaubt, dass es jemals besser werden könnte. Aber jetzt habe ich meine Kinder, das schönste Geschenk, das ich von meinem Gott bekommen konnte. Ich liebe sie so sehr.

Glücklich macht mich …
… dass ich gesund bin. Ich bin nicht im Krankenhaus und ich kann gehen, stehen, essen und tanzen. Es gibt nichts in und an meinem Körper, was mich stört oder ärztlich versorgt werden muss. Das heißt nicht, dass ich Milliarden Euro habe – aber mir geht es gut. Das macht mich glücklich. Im Leben muss man einfach glücklich sein, denn egal was kommt – es geht weiter, und zwar Schritt für Schritt.
Mein Leben in Graz ge- fällt mir nun gut. Ich liebe die Menschen hier – und sie lieben mich auch. Besonders, weil ich immer lächle und gut drauf bin. Die Leute fragen mich oft, wieso ich so gut drauf bin – „Weil ich keine Probleme habe“, erzähle ich ihnen dann immer. Ich kann überall hingehen, mit allen reden und das Megaphon verkaufen – und einfach glücklich sein. Mich macht nichts traurig. Manchmal kommen Menschen vorbei und sehen sehr traurig aus. Wenn ich das sehe, schenke ich ihnen ein Lächeln und rede eine Weile mit ihnen – und wenn sie gehen, sind sie wieder glücklich, genauso wie ich. Denn das
Leben ist einfach: Wenn wir es uns leicht machen, dann bleibt es das auch.

In der Zukunft …
… möchte ich, wenn Gott mich segnet, allen Menschen helfen, denen es nicht so gut geht und die Hilfe brauchen. Menschen, die kein Essen und keine Kleidung haben und die sich allein fühlen. Menschen, die keinen Job finden und nicht arbeiten gehen können. Ich möchte ihnen helfen, indem ich ihnen Kleidung schenke, für sie koche und sie einfach glücklich mache. Wenn ich die Möglichkeit und das Geld habe, dann will ich für sie da sein. Wenn ich an meine Zukunft denke, dann muss ich alles dafür tun, dass meine Kinder ein gutes und erfülltes Leben haben. Sie sind das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe meinen Gott, ich habe meine Familie und ich habe meine Gesundheit. Darauf bin ich stolz und dafür bin ich dankbar.