Text: Claudio Niggenkemper
Fotos: Thomas Raggam

Felix Olusegun Toja-Winjobi

Verkauft das Megaphon seit Ende 2023 vor dem Hofer am Hauptbahnhof.

Ich interessiere mich sehr …
für technische Innovationen, vor allem für künstliche Intelligenz. Bevor ich Ende 2023 nach Graz kam, absolvierte ich in Nigeria bereits einen Bachelor in Mechanical Engineering, wobei ein nicht unerheblicher Teil künstliche Intelligenz beinhaltete. Dieser Fokus hat mich nicht losgelassen und ich wollte unbedingt etwas machen, was sich damit kombinieren lässt. Nun studiere ich Smart Automation an der FH Campus 02. Das ist eine Art Kombination aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Softwareentwicklung.

Die Entscheidung für Österreich war …
nicht schwer. Anfangs habe ich weltweit nach Möglichkeiten gesucht, mein Studium fortzusetzen. Allerdings war das auch eine Kostenfrage. Nur wenige Länder und Universitäten bieten kostenlose beziehungsweise kostengünstige Studienmöglichkeiten an. In den USA oder Großbritannien hätte ich für den identischen Studiengang bis zu 20.000 Dollar oder Pfund zahlen müssen. Hier sind es „nur“ ungefähr 386 Euro. Das ist ein großer Unterschied und ein gutes Argument für
Österreich gewesen. Außerdem ist es schwer, englischsprachige Studiengänge zu finden. Die Kombination aus den niedrigen Gebühren und den Inhalten hat den Ausschlag gegeben. Die fehlende Anerkennung meines Bachelors hat dem keinen Abbruch getan, auch wenn es schade ist keinen klaren Vorteil dadurch zu haben.

Unterstützung bekomme …
ich von meiner Familie. Die ersten drei, vier Schritte meiner Karriere musste ich selbst gehen, also selbst finanzieren. Nun, da ich schon den einen oder anderen Abschnitt erfolgreich abgeschlossen habe, werde ich beim Auslandsstudium finanziell unterstützt.

Das Megaphon ist für mich
eine gute Überbrückung. Ursprünglich habe ich nach einem Job gesucht, der etwas mit meinem Studium zu tun
hat, allerdings habe ich gemerkt, dass die Abschlüsse aus „Drittstaaten“ hier zwar akzeptiert, aber nicht geschätzt werden. Ich glaube, viele sind der Meinung, dass die Ausbildung, die man hier erhält, einem anderen Standard entspricht, als die nigerianische. Das ist auch der Grund, warum es schwierig ist, mit dem Bachelor-Abschluss direkt einen Master-Abschluss
zu erwerben.

Bildung bedeutet …
eine neue, große Chance. Mittlerweile studieren viele Nigerianer:innen an den österreichischen Universitäten und Hochschulen und es werden mit Sicherheit mehr. Es ist für alle, die es sich erlauben können, die die Priviligien haben, der legale Weg. Dadurch kann ein Land wie Österreich auch sichergehen, wer herkommt. Das bedeutet nicht, dass diejenigen, die den gefährlichen Weg wählen müssen, unklug wären. Sie haben nur nicht direkt die Möglichkeit zu zeigen, was sie alles können.

Mein Tipp an die jungen Menschen in Nigeria, die woandershin möchten, ist …
wenn möglich, gute Noten zu bekommen. Dadurch eröffnen sich wiederum Möglichkeiten auf Stipendien. Das Wichtigste ist aber, sich ausreichend zu informieren. Viele möchten nur schnell weg, ohne sich die Zeit zu nehmen, den bestmöglichen Weg zu finden. Das macht es schwieriger. Man sollte immer einen Fokus setzen. Und das Allerwichtigste: Alles muss legal sein, ohne Abstriche.

Für die Zukunft …
habe ich einen klaren Plan. Meine Stärken liegen eindeutig im Projektmanagement. Wenn ich den Bachelor und Master abgeschlossen habe, möchte ich Projekte mit Fokus auf Datenanalyse und Automatisierung unterstützen oder leiten. Das sind Felder, in denen ich mich sehe. Einfach etwas, das alles Spannende zusammenfasst.
Wo? Das hängt davon ab, wie mich Österreich behandelt (lacht). Die Sprache ist schwer und mir
fehlt bisher noch die praktische Erfahrung. Wenn beides in den nächsten Jahren klappt, kann ich mir gut vorstellen, hierzubleiben. Sehr schön ist es hier ja.