Megaphon #366
Ein, zwei Hitzewellen zu spät
Wie lange doch eine Woche sein kann. 10.080 Minuten musste ich auf eine kühle Brise warten. Vorausschauendes Denken: Fehlanzeige. Ich muss mich an der eigenen Nase nehmen: Einen Ventilator mitten in der größten Hitzeperiode des Jahres zu bestellen, ist vielleicht auch ein, zwei Hitzewellen zu spät. Also begnügte ich mich Ende Juni damit, meinem quietschenden Uralt-Mini-Ventilator zu lauschen, während ich am Laptop sitzend versuchte, um jeden Preis zu verhindern, dass auch nur ein Tropfen Schweiß die Tastatur erwischt. Auch meine Katze scheint sich bei der Hitze nicht ganz auszukennen. Sie liegt vor dem Ventilator – aber nur, wenn er abgeschaltet ist. Sie legt sich auf den Balkon – natürlich in der vollen Mittagshitze. So ganz weiß wohl nicht einmal die Tierwelt, wie sie mit der Hitze umgehen soll.
Seit Juli 2015 gibt es keine Gemeinde in Österreich mehr, die noch nie einen Hitzetag erlebt hat. Wohin also fliehen, wenn einem die Temperatur zu Kopf steigt? Der Hitze entkommt inzwischen kaum noch jemand: Infolge der Klimakrise ist die Zahl der Hitzetage stetig gestiegen und wird voraussichtlich weiter steigen. Da hilft, so scheint es, nur noch die Flucht ins Eigenheim. Wer Geld hat, Besitz oder gleich beides, ist vergleichsweise gut dran. Wer all das nicht hat, schaut hingegen in die Röhre – oder steckt, wenn gar nichts mehr hilft, gleich den Kopf ins Eisfach.
Warum also nicht einfach eine Klimaanlage? Ganz so einfach ist das leider nicht. Ach ja, Bürokratie. Dann doch lieber raus, etwa ins kühle Nass? Ach ja, davon gibt es zu wenig. Scheint, als wäre nicht nur ich ein, zwei Hitzewellen zu spät dran. Also doch wieder zum Eisfach. Bis dahin hoffe ich, dass zumindest alle beim Lesen einen kühlen Kopf bewahren.
Editorial: Claudio Niggenkemper
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