März 2026

Megaphon #361

Die Straße als Spiegel

Anfang Februar, ein Freitagvormittag. Der erste sonnige Tag nach einem langen Winter. Ich stehe auf der Straße und suche männliche Stimmen für unsere März-Ausgabe zum feministischen Kampftag am 8. März. Die Ausgabe ist voll mit starken weiblichen Positionen. Ergänzend wollten wir Männer fragen, was jeder Einzelne tun kann, um Gewalt gegen Frauen zumindest im eigenen Umfeld zu verhindern.

Dass es nicht leicht werden würde, war mir bewusst. Wie hart die nächsten zwei Stunden tatsächlich sein würden, hat mich dennoch schockiert. Bis auf eine einzige anonyme Stimme ohne Bild wurde ich ignoriert, beschimpft oder abgewimmelt. Vor allem ältere, „weiße“ Männer reagierten aggressiv oder abweisend. Das Thema interessiere sie nicht. Ein Mann zeigte auf meine Frage hin auf seine Frau – sie solle antworten. Andere wurden direkter: „Schleich dich, du Bettler!“

Ob diese Reaktionen dem Mikrofon und der Medienskepsis geschuldet waren oder meinem südländischen Aussehen, kann ich nicht sagen. Diskriminierung kenne ich eigentlich nur aus Kindheitstagen an der Seite meines Vaters. Oder lag es doch an der Frage selbst, einem Thema, das offenbar viele überforderte? Ich begann zu zweifeln, sowohl persönlich als auch beruflich.

Diese Erfahrung steht sinnbildlich für das Wegschauen, das Abwehren und die fehlende Bereitschaft vieler Männer, Verantwortung zu übernehmen oder sich selbst zu hinterfragen.

Da wir diese Stimmen nicht bekommen haben, findet sich in dieser Ausgabe stattdessen die Stimme von R., Sprecherin des kurdischen Vereins in Graz, die für Rojava (Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien) auf die Straße geht und Fragen zur Frauenbewegung beantwortet.

Wir werden trotzdem weiter auf die Straße gehen. Auch im Gedenken an unsere verstorbene Kollegin Nadine Mousa, der diese Haltung immer wichtig war. In dieser Ausgabe findet sich ihr Nachruf.

Und Nadine: Wir bleiben laut. Auch für dich!

Editorial: Michael Zakary

In diesem Monat zu lesen

 

Der Sog der Manosphere

Der Erfahrungsbericht zeigt mittels Selbstversuch, wie schnell junge Männer auf TikTok in antifeministische und frauenfeindliche Echokammern geraten können – ohne aktiv danach zu suchen. Ein fiktiver 19-Jähriger scrollt fünf Tage lang scheinbar harmlos durch seinen Feed. Was mit Motivationssprüchen beginnt, kippt rasch in Alpha-Männlichkeitsbilder, Frauenhass und autoritäre Weltbilder.
Text: Nico Kammeritsch

Zuhause in der Vielfalt

Yu-Shin Lin spricht über Alltagsrassismus, Sprache als Machtinstrument und darüber, wie Kunst Räume öffnen kann, in denen Vielfalt nicht erklärt, sondern gelebt wird. Ein Porträt über Zugehörigkeit jenseits nationaler Grenzen – und darüber, warum sich Heimat dort findet, wo Unterschiedlichkeit Platz hat.
Text: Chia-Tyan Yan

„Wie entspannt diese Österreicher aussehen!“

In der Reportage begleitet Marina Klimchuk ukrainische Kriegswitwen und ihre Kinder, die im Rahmen eines Pilotprojekts für zwei Wochen zur Erholung in die Steiermark kommen. Im Zentrum steht Anastasia Marinchenko aus Kyjiw, deren Mann an der Front gefallen ist – und die zwischen Thermalbad, Ausflügen und therapeutischen Angeboten versucht, für kurze Zeit dem allgegenwärtigen Krieg zu entkommen.

Text: Marina Klimchuk

Quellenangaben Rubrik: Zahlen
1, <80, 40.000, 5, 10,