Text: Ipek Yüksek

Man(n) tötet nicht aus Liebe

In Österreich gab es 2021 schon 14 Morde von Männern an Frauen. Österreich ist seit Jahren auf den ersten Rängen in der EU, was diese traurige Statistik betrifft. Nach einer ganzen Serie an Frauenmorden in den letzten Wochen und vehementen Protesten der feministischen Bewegung war auch die Bundesregierung gezwungen, etwas zu unternehmen.

Was das genau sein wird? Dringend notwendig wäre eine massive Budgetaufstockung für Gewaltschutz und Frauenhäuser. Tatsächlich passierte in den letzten Jahren meist das Gegenteil. Das zeigt auch der Unterschied zwischen dem, was notwendig wäre, und dem, was ist: „Laut Istanbul- Konvention wären für einen flächendeckenden Opferschutz und opferschutzbasierte Täterarbeit etwa 210 Millionen Euro nötig. Zuletzt betrug das Budget des Frauenministeriums etwa 10 Millionen Euro.” Das heißt, alle Maßnahmen, die – in Worten – angedacht wurden, sind nur Pflaster auf offenen Brüchen.

Überhaupt scheint der Fokus der Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) woanders zu liegen. Sie will eine Studie in Auftrag geben, die sich mit „unterschiedlichen Motiven kultureller Gewalt“ befassen soll. Damit schlägt sie in dieselbe Kerbe wie die FPÖ. Generalsekretär und Nationalratsabgeordneter Michael Schnedlitz machte nach einem der jüngsten Femizide eine Aussendung, in der er erklärte: „Nicht das Frauenbild österreichischer Männer ist das Problem, sondern es sind die sträfliche Nachlässigkeit im Umgang mit offensichtlich gefährlichen Tätern sowie das Frauenbild von Zuwanderern vor allem aus islamischen Ländern.“

Das ist nicht nur rassistisch, es verschleiert auch die eigentliche Ursache des Problems: strukturelle patriarchale Gewalt. Wolfgang Fellner hat in jüngerer Vergangenheit keine Migrationsgeschichte, aber ein mehr als nur fragwürdiges Frauenbild. Es sind immer noch viel zu viele Medien, nicht nur jene Fellners, sondern auch der ORF und andere, die von „Beziehungstat“, „Familiendrama“ oder Mord wegen „nicht erwiderter Liebe“ sprechen, wenn sie eigentlich von Femiziden sprechen sollten.

M E G A P H O N -L A U T S P R E C H E R : I N
An dieser Stelle nutzen Menschen die Plattform Megaphon, um laut und deutlich zu sprechen – über Themen, die im öffentlichen Diskurs zu kurz kommen.

I P E K  Y Ü K S E K (*1999 in Antakya/Türkei) ging bereits als Kind mit ihrer Mutter und Großmutter auf die Straße, um sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Selbst eine Inhaftierung hat ihren Willen nicht gebrochen. Bei der migrantischen Selbstorganisation Patika engagiert sie sich für migrantische und feministische Anliegen. Sie studiert Jus und beschäftigt sich intensiv mit Politik.