Text: Anna Maria Steiner
Fotos: Arno Friebes

Bright Lawani

Unser Verkäufer des Monats Jänner 2020.

Name: Bright Lawani
Alter: 18 Jahre
Megaphon-Verkaufsplatz: Hofer, Graz-Puntigam
Motto: „In Österreich ist es wunderbar. Deshalb: Seid nett zueinander, und alles ist gut.“

 

Bright, mein Name… bedeutet so viel wie „hell“, oder auch „schlau“. Mein Vater hat mir einmal gesagt, dass ich das schlaueste Kind gewesen sei, das er je gekannt hat … Warum genau ich so getauft worden bin, kann ich nicht sagen. Leider kann ich meine Eltern nicht mehr fragen, weil sie beide nicht mehr leben. Nach ihrem Tod musste ich aus Nigeria, meiner Heimat, flüchten. Mit 14 bin ich nach Österreich gekommen. Gleich nach meiner Ankunft im Flüchtlingsquartier in Semmering habe ich begonnen, Deutsch zu lernen und den Pflichtschulabschluss nachzuholen. Die Prüfung möchte ich so schnell wie möglich machen, aber derzeit arbeite ich und
verkaufe Megaphon, weil ich Geld verdienen muss.

Ich liebe es … zu sporteln. Egal, was: Ich liebe es, mich zu bewegen! Derzeit spiele ich regelmäßig Fußball und klettere. Aber am allerliebsten fahre ich Rennrad. Ein Jahr lang war ich Mitglied des Radrennvereins „Junior Cycling Team Graz“. Dort hatte ich mein eigenes Fahrrad und habe mit 15 anderen jungen Leuten trainiert. Doch weil Radrennfahren ein teurer Sport ist, musste ich ihn aufgeben. Meine Kollegen vermisse ich sehr – sie alle waren wie eine Familie für mich. Wir hatten Spaß und haben uns gegenseitig angespornt und unterstützt. Ich hoffe, irgendwann wieder mit dem Radrennfahren weitermachen zu können – dieser Sport und die Menschen im Team bedeuten mir sehr viel.

Schätzen gelernt habe ich … Brot, sauberes Wasser und Fleisch. Brot und sauberes Trinkwasser, weil mir beides auf meiner Flucht das Leben gerettet hat. Und Fleisch, weil es mich an die Gastfreundschaft der Menschen in meinem Geburtsland erinnert. In Afrika essen die Menschen viel seltener Fleisch als hier in Österreich. Und wenn, dann werden oft Nachbarn und Freunde dazu eingeladen. Auch bei mir
zuhause haben wir das oft gemacht: Wenn wir Freunde ein-
geladen haben, hat meine Mutter groß aufgekocht. In Nigeria bekommt das erste Stück Fleisch immer der Gast. Das finde ich eine schöne Tradition.

Ich möchte … mein Leben so gut leben, wie ich kann. Der-
zeit verkaufe ich Megaphon – davon kann ich mich ernähren. Was ich möchte, ist den Pflichtschulabschluss nachholen und arbeiten. Ich bin oft zwölf Stunden am Tag an meinem Verkaufsstandort, und wenn daneben Zeit bleibt, mache ich Sport. Ich bin kein Teenager, der auf der faulen Haut liegt.

Ein perfekter tag für mich ist … Freund_innen einladen zu können und für sie zu kochen. Ich mag die Menschen und das Land. Hier in Österreich gibt es Frieden, und die Menschen nehmen aufeinander Rücksicht.